Familie Deprez

Noelle und Cédric wohnen mit ihrer Tochter Delphine und Noelles Hund Monti mitten in der Stadt Zürich. Noelle arbeitet seit bald 15 Jahren bei enSoie, sie ist zuständig im Bereich Production und Sustainability. Cédric ist Spezialist für die Berufliche Vorsorge. Delphine lernt gerade Laufen und sagt am liebsten «Hallo».

 

Ihr Lieblingsrestaurant?
Noelle: In Zürich die «Kronenhalle». Ein Besuch in Anthony Bourdains «Les Halles» in New York ist mir sehr in Erinnerung geblieben. 
Cédric: Die «Brasserie Lipp» in Zürich. Sie ist für mich der Innbegriff der Leichtigkeit des Seins. Die Einrichtung typisch Französisch, die Mitarbeitenden elegant gekleidet und für jeden Geschmack ein passendes Gericht. Es müssen nicht immer Austern sein. Auch die Frankfurter auf Sauerkraut sind leicht und erfrischend. Obwohl, eine Auster zum Starten empfehle ich schon. 

Wohin ziehen Sie sich in zurück, wenn Sie auf neue Gedanken kommen möchten? 
Noelle: In unseren Garten in Mürren. 

Was backen Sie selber, wenn Sie viel Zeit haben?
Noelle: Laugenbrezel. Zum Geniessen mit viel Salz und Butter.

Was halten Sie von Trüffelöl? 
Cédric: Das Trüffelöl polarisiert stark. Wenn ich aber meine Pizza mit Chilliöl geniesse, interessiert das niemanden. Beim Trüffelöl machen es die Menge und die Grundzutaten aus. Wenn ich mir schon mal einen weissen Trüffel gönne, wäre zusätzliches Trüffelöl sicherlich absolut fehl am Platz. Wenn der Hund jedoch einen Zürcher Stadt-Trüffel findet, empfehle ich doch den ein oder anderen Tropfen Trüffelöl zusätzlich. 

Was war Ihr absolut bestes Essen?
Noelle: Entrecôte Café de Paris mit Pommes Allumettes nach einem langen Rückflug aus Indien. 

Wie bringen Sie ihre Kinder dazu, etwas zu probieren?
Noelle: Geduldig sein und warten bis sich die Geschmacksknospen entwickeln.
Cédric: Selber mit gutem Beispiel voran gehen. Wir essen beide so gut wie alles. Delphine hat auch schon Bekanntschaft mit Moules gemacht. Obwohl die Schale dann deutlich das Interessanteste war.

Welches Buch würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen – und welches Kochbuch?
Noelle: Marcel Prousts «À la recherche du temps perdu»
 - dann hätte ich endlich die nötige Zeit um es zu lesen. Als Kochbuch von Marcella Hazan – «The Essentials of Classic Italian cooking».

Was kochten Sie bei ihrem ersten Date? Und wie war es?
Noelle: Ich habe gebratenes Hähnchen mit warmen Pommes Chips und Baguette gemacht. Nach Art meines Grossvaters. Es war fein und der Abend gut. Die Lärmbeschwerdenotiz der Nachbarn hängt noch immer am Kühlschrank. 
Cédric: Und ein Jahr später haben wir geheiratet. Und haben jetzt unsere wunderbare Tochter Delphine.

Legen Sie Wert auf Geschirr?
Noelle: Ja sehr. Ein schöner Tisch ist wichtig. Das wurde von meiner Mama vorgelebt und so wollen wir es weitergeben. Bei uns daheim war und ist eine Mahlzeit ein kleines Fest. 
Cédric: Das Geschirr bildet die Basis für das Gericht. Ohne solide Basis hat auch das Menü einen schweren Stand. 

Welches ist Ihr liebstes Küchengerät?
Noelle: Ich hätte gerne ein Essigfass. So können die angebrauchten Weine verwertet werden, um hauseigenen Essig herzustellen.
Cédric: Wir achten sehr darauf, alle gekauften Lebensmittel auch zu verwerten.

Was vergessen Sie beim Einkaufen immer wieder?
Cédric: In der Regel gehe ich eher planlos einkaufen. So vergesse ich eigentlich immer etwas. Oder nie etwas. Je nach Sichtweise. Wenn es wichtig ist, schickt Noelle mir dann jeweils eine «Posti»-Liste.

Wenn Sie ein Gericht wären, dann welches?
Cédric: Eine Sauce béarnaise. Geschmeidig und doch leicht säuerlich. Viele haben Respekt, eine Sauce béarnaise zu kochen. Die meisten wagen es gar nicht einmal, weil das Rezept immer so kompliziert tönt. Wenn man die Sauce jedoch einmal probiert hat, wird einem klar, dass es wirklich keine Hexerei ist. Immer rühren, die Temperatur regulieren und ohne Wasserbad. 

Welches Rezept haben Sie zuletzt beim Kochen verpatzt?
Noelle: Der erste Geburtstagskuchen für Delphine. Er hatte viel zu viel Zucker und ging überhaupt nicht auf. Der zweite Anlauf mit neuem Rezept hat dann zum Glück gepasst.

Gibt es ein Buch oder einen Film rund um das Essen, den Sie allen empfehlen würden?
Noelle: Das Buch «A Cheesemongers’ History of the British Isles» von Ned Palmer.

In einem Buch von Boris Vian erfindet jemand das «Pianocktail»: Ein Piano, das je nach Melodie, Anschlag und Tonart zu jedem Song einen Drink mixt – welchen Song würden Sie gerne trinken?
Noelle: «Gentle on my mind» von Dean Martin. 
Cédric: «Sympathy For The Devil» von den Rolling Stones. Wäre eine interessante Begegnung.

Welches Aroma würden Sie mit der Farbe Blau vergleichen?
Noelle: Austern. 
Cédric: Salz. Ein Lebensmittel, welchem häufig zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Ein qualitativ hochwertiges Salz überzeugt jeden Gast. 

Welches Kunstwerk würden Sie gerne zuhause aufhängen oder aufstellen?
Noelle: Ich hätte gerne eine echte Farbnomenklatur. Wie z. B. «Wernes Nomenclature of Colours» von Patrick Syme. Es ist weniger Kunstwerk als wissenschaftliches Zeitzeugnis, aber trotzdem wunderschön. Farben faszinieren mich. 

Verstehen Sie den Hype um «nature wine»?
Cédric: Wein haben bereits die Ägypter genossen. Nach heutigem Stand muss man aber annehmen, dass der Wein dazumal nicht wirklich ein Genuss war. Die Weinherstellung wurde daher stets weiterentwickelt, bis es zum heutigen Produkt wurde. Die Natural Wines sind für mich eher Rückschritt. Störend finde ich den Begriff Wein. Eine differenziertere Bezeichnung fände ich sinnvoll.

Macht es für Sie Sinn, Weiss- und Rotwein aus verschiedenen Gläsern zu trinken?
Cédric: Es gibt tatsächlich Gläser, welche sich für einen Rotwein nicht eigenen. Ich meine dabei dieses kleine 0,5 dl Glas. Jenes ohne Stiel. Bevorzugt beim Genuss von trockenen, preiswertem Weissweinen zum Fondue. Aber bei einem guten Tropfen muss auch das Glas stimmen. Diese Aufmerksamkeit und Ehre hat der Wein verdient.

 

Die interviewten Personen suchen sich die Fragen aus dem enSoie Fragebogen 2022 von Stefan Zweifel jeweils selbst aus.