Barathy Akkan

Barathy Akkan ist 25 Jahre alt und in Glarus geboren und aufgewachsen. Sie ist diplomierte Pflegefachfrau und modelt nebenbei. Wir haben Barathy in Glarus fotografiert und uns unterhalten.

 

Welcher Geruch erinnert Sie an Ihre Kindheit?
«Beautiful» von Estée Lauder. Meine Mutter trug das Parfüm jeden Tag, als ich noch ein Kind war.

Welchen Film möchten Sie noch einmal sehen?
«Before Sunrise» und «Call Me by Your Name».

Haben Sie Haustiere? / Was für ein Haustier hätten Sie gern – und warum?
Leider habe ich keine Haustiere. Ich hätte gern einen Hund oder ein Babyschwein. Beides sehr tolle Tiere.

Was für ein Tier wären Sie gern – und warum?
Ein wuscheliges Kalb. Ich würde gern auf einer freien Wiese freudig herumrennen. Kälber finde ich supersüss und sie sind mir einfach sehr sympathisch.

Was wären Sie, wenn Sie eine Tageszeit wären?
Vormittag, ein sonniger Vormittag.

Was wären Sie, wenn Sie ein Möbelstück wären?
Ich wäre ein Tisch.

Was zeigen Sie Freunden aus dem Ausland in Ihrer Stadt?
Die Stadt Glarus und die Berge.

Welches Kunstwerk würden Sie gerne zuhause aufhängen oder aufstellen?
Irgendein Kunstwerk, das meine Freundin Michelle gestaltet hat.

Haben sie zuhause Pflanzen?
Ja, über 30 und jede Pflanze hat einen Namen.

Welches ist ihr liebstes Küchengerät?
Ein manueller Gemüsehacker. Der erleichtert mit das Kochen und macht mir Freude.

Was haben Sie immer im Kühlschrank?
Broccoli, Peperoni und Sojamilch.

Was vergessen Sie beim Einkaufen immer wieder?
Kaffeekapseln, Kompost- und Abfallsäcke. Oh, und Backpapier!

Was ist für sie Heimat: der Ort, die Freunde, die Sprache, das Essen...?
Ein spezifisches Gefühl, welches ich nicht beschreiben kann und die Freunde und Familie.

Machen sie zuhause Sport und wenn ja welchen?
Ich mache HIIT (High-intensity interval training), Youtube Homeworkouts und Springseilen.

Sind sie gern allein?
Ja eigentlich schon, aber nicht allzu lange.

Haben Sie einen Lieblingssschmuck?
Meinen «holding hands» Ring.

Wovon sollten Sie sich trennen, können es aber nicht?
Meine Stofftiere.

Ihre Lieblingsnamen?
Moya und Sree.

Wann haben sie sich zuletzt selbst gegoogelt?
Nachdem ich diese Frage gelesen habe.

Ihre Lieblingsserie?
«Grace and Frankie».

 

Fotos: Rafael Palacio Illingworth
Konzept und Styling: Michèle Boeckmann
Fragebogen: Stefan Zweifel

Die interviewten Personen suchen sich die Fragen aus dem Fragebogen selbst aus.

Home Philosophy 4

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Illustration Simon Trüb

 

Der Mantel ist ein Haus

Viele Kinder haben ein „Nuscheli“, ohne das sie nicht einschlafen können. Und manche Menschen wollen vor ihrem Tod einmal noch in ein altes verlöchertes Pijama steigen. So tragen wir Kleider und Stoffe durchs Leben, die aus unseren Erinnerungen gewebt sind. Und in denen fühlen wir uns aufgehoben, geborgen und daheim.
„Der Mantel ist ein Haus“. So donnerte einmal der deutsche Philosoph Hegel. Er hat den Weg des dumpfen Bewusstseins des Tieres über das Selbstbewusstsein des Menschen bis zum absoluten Weltgeist aufgezeichnet und auch die Künste hierarchisch geordnet. Die Mode passt mit ihrer Flüchtigkeit nicht so recht in sein System. Doch mit diesem einen Satz gab er uns einen schönen Wink.

Als in Urzeiten die Menschen den Schutz der Wälder aufgeben mussten, in denen sie wie die Gorillas Nester in Bäumen bauten, um furchtlos schlafen zu können, legten sie ihr Fell ab. Neue Schweissdrüsen erlaubten es ihnen, unter dem Fluch der Sonne durch die Savannen zu streifen, ohne das ihr grosses Hirn überhitzt wurde. Die Haut aber begannen sie bald mit fremden Fellen und Häuten zu schützen, aus denen sie auch erste Behausungen in Form von Zelten bauten. Kleid und Haus wurde zu einer zweiten Haut.

Und als hätte das Hegel bereits alles gewusst, ergänzte er sein Diktum: „Der Mantel ist ein Haus, in dem man sich frei bewegt.“ Oder eben nicht – wie in der Mode seiner Zeit um 1800, die er geisselte: Denn der „moderne“ Mantel wirft nur „starre Falten“ wie ein „steifer Sack“, während in der Antike bei den Griechen die Gewänder frei über den Leib flossen wie der Schaum über die Glieder der Aphrodite, als sie der Gischt des Meeres entstieg. Dieses freie Spiel wich der reinen „Zweckmässigkeit“, in die man ein Leben sperrt, das nur noch eine Funktion im Getriebe des Staates ist.


Die Lust des Osterhasen

Das Diktat der „Zweckmässigkeit“ wanderte vom Mantel in unsere Häuser. Gerade an Ostern zeigt sich die Armut modernistischer Bauten, wenn man ein Versteck für bemalte Eier und Schoko-Hasen sucht. Schon in den 1920er Jahren stempelte Adolf Loos das Ornament zum „Verbrechen“. Er feierte die reine Funktionalität, was zu glatten Räumen mit grossen Fenstern führte, wobei Stahl und Glas die Verhärtung der Welt anzeigen. Während das Holz noch atmete, sind die Wohnungen heute nach aussen abgeschlossen, die Luft kreist nur noch kontrolliert durch die Klimaanlage und Roboterstaubsauger säubern Böden, in denen sich nicht mehr wie zwischen den Holzbrettern Staub und Milben ansammeln können. Die Wohnung wird zur in sich geschlossenen Monade, die mit der Welt durch Bildschirme vernetzt ist und nur noch durch virtuelle Atmung verbunden bleibt.

Das merkt man als Bewohner, wenn man an Ostern für seine Kinder Verstecke sucht. Walter Benjamin, ein Kenner von Hegel und auch der Barockphilosophie, entwarf 1932 eine kleine Philosophie des Versteckens für Osterhasen. Benjamin tröstete zwar noch die Bewohner moderner Bauten mit dem Hinweis, dass sie auch in den Schreibmaschinen noch Hohlräume finden – doch wo sind sie heute hin?, wo die iPads als schwarze Flächen auf dem Sofa glänzen und sich die Laptops flach zuklappen lassen?

Was eigentlich ist das beste Versteck? Das offensichtlichste! Benjamin empfiehlt, die Eier nicht unsichtbar in Schubladen zu verstecken, sondern offen in den Raum zu legen, als Verschluss auf eine Weinflasche, unter „die Falten des Tischtuchs“ oder auf die Pedalen des Klaviers. Bodennah weitet sich die Wohnung so zur Wiese, durch die die Hasen hüpfen.

Die Winkel der Altbauten erleichtert den Eltern das Verstecken. Glatte Wände und sterile Bauten machen es ihnen schwer. Häuser mit Winkeln und Falten lassen Raum für den Zufall – zuweilen findet man das letzte Osterei erst im Sommer, wenn es zu stinken beginnt. Doch wollen wir diesen Gestank wirklich aus unserem Leben verbannen – wie die Falten mit Botox?

Die "Zwecklosigkeit" alter Kleider, die wir nicht wegwerfen, weil sie uns an schöne Stunden erinnern, häufen sich in staubigen Winkeln. Das ist scheinbar so zwecklos wie ein "Nuscheli". Und doch hängen wir ein Leben lang an ihm.

Vielleicht wird auch dieses Jahr die geheimnislose Moderne vom Osterhasen überlistet, der gern seine Eier in verwinkelten Altbauten versteckt. Gerade das Zwecklose ist oft so schön wie die Poesie. Vergänglich wie die Wolken am Himmel. Vergänglich und zwecklos wie wir selbst. Wenn wir die Falten nicht wegspritzen, um uns an die Illusion der Zeitlosigkeit zu klammen, nisten sich die Erinnerungen im Augenwinkel ein wie alte Kleider im Staub der Schränke. Doch in ihnen entfaltet sich die Erinnerung an Vergangenes, die das Jetzt poetisch verzaubert. Feiern wir also die Winkel und Falten, die Zwecklosigkeit und die Vergänglichkeit. Das Altern macht die jeweilige Gegenwart nämlich sinnlicher und lustiger. So gesehen ist Hegels Satz ein Wink für uns alle.

Stefan Zweifel
 

Sophie Meier und Stefan Zweifel

Sophie Meier entdeckt nach ihren Jahren in Los Angeles die verwinkelte Altstadt in Zürich mit neuen Augen, die blau leuchten, wenn sie durch die Gassen streift und sie sich an ihre Kindheit in der Altstadt erinnert. Dort lebt sie mit Stefan Zweifel, der die Erfahrung fremder Welten lieber beim Blick auf seine Büchergestelle geniesst. 

 

Welcher Geruch erinnert Sie an Ihre Kindheit?
Sophie: Getoastes Brot, Kaffee.
Stefan: Der Wundschorf von meinem Knie.

Welches Geschäft vermissen Sie in der Altstadt Zürich?
Beide: Bianchi.
Stefan: Vor allem Samstag ab 14.00 Uhr, da gab es allerlei zum halben Preis.

Gibt es ein Kleid, das Sie nie wegwerfen würden?
Sophie: Ein massgeschneidertes Kleid, das ich von meiner Mutter bekommen habe.
Stefan: Mein rosa Gucci-Shirt und den rosa Hannes B-Pullover.

Was vermissten Sie während des Lockdown am meisten?
Sophie: Auswärts essen, z. B. im Schnupf.
Stefan: Meine Freunde und die Kronenhalle-Bar.

Was haben Sie während des Lockdowns neu für sich entdeckt?
Stefan: Die Dachterrasse und Backgammon.

Welchen Film möchten Sie noch einmal sehen?
Stefan: «Spiel mir das Lied vom Tod.»

Was lieben Sie an Zürich am meisten?
Sophie: Die Natur und den Wald.
Stefan: Die Nähe der Bibliothek, des Kunsthauses und des Schauspielhauses.

In welcher anderen Stadt würden gern/ könnten Sie leben?
Stefan: Paris oder Paris.

Haben Sie Haustiere?
Stefan: Milben.
Sophie: Nein.

Was für ein Tier wären Sie gern?
Stefan: Meine Burmakatze Minouschka.
Sophie: Keins.

Was für ein Tier wären Sie gern – und warum?
Stefan: Ein Koala, der immer schläft und nur Eukalyptusbonbons isst.

Was wären Sie, wenn Sie eine Tageszeit wären?
Sophie: Abend.
Stefan: Nach Mitternacht.

Was wären Sie, wenn Sie ein Musikstück wären?
Stefan: Die 25. Goldbergvariation von Bach.

Was wären Sie, wenn Sie ein Duft wären?
Stefan: Karkadeetee.

Was wären Sie, wenn Sie ein Möbelstück wären?
Sophie: Eine Chaiselongue.
Stefan: Eine Hängematte.

Haben Sie Spielsachen aus Ihrer Kindheit aufbewahrt und wenn – welche?
Stefan: Ein rotes BMW-Auto und mein Schaukelpferd.

Was würden sie in einer neuen Wohnung als erstes kochen?
Sophie: Tomaten-Spaghetti.
Stefan: Spaghetti mit Tomatensauce und Zimt.

Gehen sie in den Ferien lieber in ein Hotel oder mieten Sie etwas?
Stefan: Hotel.
Sophie: Hotel.

Wohin ziehen Sie sich zurück?
Stefan: In meine Badewanne.
Sophie: In meine Küche.

An welchen Geräuschen merken Sie beim Erwachen, dass Sie zuhause sind?
Sophie: Plätschern des Brunnens und Kirchenglocken.
Stefan: Am Putzwagen, der um viertel nach zehn durch die Gasse rollt.

Was zeigen Sie Freunden aus dem Ausland in Ihrer Stadt?
Sophie: Den See.
Stefan: Die Kronenhalle.

Was ist Ihr grösster Luxus zuhause?
Sophie: Meine Küche.
Stefan: Meine Badewanne.

Welches Kunstwerk würden Sie gerne zuhause aufhängen oder aufstellen?
Stefan: Alberto Giacomettis «La femme égorgée» und ein Gemälde von Agnes Martin.

Haben sie zuhause Pflanzen?
Sophie: Einen Farn und Schnittblumen.
Stefan: Fleischfressende Pflanzen.

Welches ist Ihr liebstes Küchengerät?
Sophie: Meine Glacemaschine.
Stefan: Der Schwingbesen.

Was haben Sie immer im Kühlschrank?
Sophie: Butter.
Stefan: Alkohol und Cola light.

Was vergessen Sie beim Einkaufen immer wieder?
Sophie: Pfeffer und Zahnpasta.
Stefan: Pfeffer.

Was fehlt ihnen/ vermissen Sie in den Ferien (von zuhause)?
Sophie: Selbstgekochtes Essen.
Stefan: Meine Freunde.

Wenn Sie in Ihrem nächsten Leben ein Haus wären, was für ein Haus möchten Sie sein?
Sophie: Ein «Meer»-Familienhaus.
Stefan: Eine Bibliothek.

Gingen Sie in der eigenen Stadt schon mal in ein Hotel?
Sophie: Ja schon mehrmals.
Stefan: Ja, ins Widder, weil ich meinen Schlüssel auf dem Kühlschrank vergessen hatte.

Wenn Ihr Haus in der Nacht wandern könnte – wo würden Sie am liebsten erwachen?
Sophie: Am Meer.
Stefan: Am Strand der «La Pelosa» in Sardinien.

Vermissen sie Wolkenkratzer in der Schweiz?
Sophie: Nein.
Stefan: Nicht wirklich, obwohl ich sie liebe.

Was ist für sie Heimat: der Ort, die Freunde, die Sprache, das Essen...?
Sophie: Die Familie.
Stefan: Alle Sprachen, die ich nicht kenne und die Sehnsucht nach dem Fremden.

Genügen Ihnen vier Jahreszeiten oder könnten sie sich eine fünfte vorstellen?
Sophie: Mir würden auch drei reichen: Frühling, Sommer und Herbst.
Stefan: Wüstenwind.

Ist Ihr Esstisch rund, oval oder eckig und weshalb?
Sophie: Oval, weil viele Leute Platz haben und man sich zu zweit nicht in der einsamen Zweisamkeit fühlt.
Stefan: Oval, weil es keine klare Hierarchie gibt.

Machen sie zuhause Sport und wenn ja welchen?
Sophie: Nein.
Stefan: Ballettübungen mit Pliés und Jettés.

Sind sie gern allein?
Sophie: Ja, eigentlich schon, obwohl ich in den letzten 8 Monaten nur circa vier Mal allein war.
Stefan: Nur wenn ich weiss, dass ich im nächsten Moment unter Menschen in einer Bar gehen könnte.

Wen würden Sie gerne einmal ein Wochenende zu sich nach Hause einladen?
Stefan: Björk.

Worauf werden Sie in Zukunft verzichten/ könnten Sie am leichtesten verzichten, um klimaneutral(er) zu leben?
Sophie: Autofahren (obwohl ich es eh nicht kann).
Stefan: Auf das Schweizer Militär.

Haben Sie einen Lieblingssschmuck?
Sophie: Ja, einen Ring, der ein Erbstück ist.
Stefan: Meinen verlorenen Mickey-Ohrenring von Doris Binder.

Wo baden Sie lieber – im See oder im Meer?
Beide: Im Meer.

Wo gibt es das beste Schnitzel?
Sophie: Bald bei uns zu Hause
Stefan: In Wien.

Wo gibt es das beste vegetarische Essen?
Sophie: In Indien.
Stefan: In Sri Lanka, auch wenn ich noch nie dort war.

Stört es sie wenn die Nachbarn laut Sex haben?
Sophie: Nein, überhaupt nicht.
Stefan: Nie! Oder doch: Wenn der Mann brüllt wie ein Schwein vor dem Hackblock.

Was machen sie in tropischen Sommernächten?
Sophie: Die Fenster öffnen und ein kaltes nasses Tuch in die Kniekehlen klemmen.
Stefan: In die Limmat springen.

Wovon sollten Sie sich trennen, können es aber nicht?
Stefan: Von meinem Handy.

Was wird die Welt Ihrer Kinder am stärksten von Ihrer Welt unterscheiden?
Stefan: Das dauernd schlechte Gewissen.

Welche Farbe dominiert in Ihrer Küche?
Sophie: Apricot.
Stefan: Rotweinflecken an der Wand.

Welches ist Ihr Lieblingsmöbel?
Sophie: Mein Esstisch.
Stefan: Der Tisch meines Grossvaters.

Was war Ihr schönstes Geburtstagsgeschenk? 
Sophie: Da ich im Dezember Geburtstag habe ein Tannenbaum.
Stefan: Ein Gameboy, den wir am Flughafen holen mussten, weil am 22. Dezember alle Geschäfte in der Stadt ausgeschossen waren.

Was nehmen sie aus den Ferien als Erinnerung nach Hause mit?
Stefan: Den Duft der sardischen Macchia.

Mit wem würden Sie Ihre Wohnung gern ein Wochenende tauschen und weshalb?
Stefan: Mit meinem Freund Christian in New York, weil man aus der Badewanne über ein Spiegelsystem direkt auf die Strasse 53 Stockwerke tiefer schauen kann.

Ihr Lieblingsmaler?
Stefan: Boris Minski.

Ihr Lieblingswort?
Sophie: Mega.
Stefan: Flabbergasted.

Wann haben sie sich zuletzt selbst gegoogelt?
Stefan: Gestern, gezwungenermassen.
Sophie: Vor rund einem Jahr.

Ihre Lieblingsserie?
Stefan: «Twin Peaks».

 

Fotos: Rafael Palacio Illingworth
Konzept und Styling: Michèle Boeckmann
Haare und Make-up: Elin Dannecker
Fragebogen: Stefan Zweifel

Die interviewten Personen suchen sich die Fragen aus dem Fragebogen selbst aus.

Noelle Deprez mit Delphine

Noelle Deprez arbeitet seit über 13 Jahren bei enSoie und ist dort zuständig im Bereich «Production and Sustainability». Sie hat Textilwirtschaft studiert und so ihre Liebe zu schönen Stoffen und qualitativ hochwertigen Stücken noch vertieft. 
Noelle wurde 1991 in Bern geboren und ist in Zürich aufgewachsen. Mit Mann, Kind und Hund wohnt sie mitten in der Stadt. Wir haben Noelle mit ihrer Tochter Delphine auf einen Spaziergang in Zürich getroffen und uns ein wenig Unterhalten:

 

Welcher Geruch erinnert Sie an Ihre Kindheit?
Der Geruch im Uhrmacher Atelier meines Grossvaters. Hirse und Buttersauce wie sie meine Grossmutter kocht. 
Mailänderli backen an Weihnachten. 

Welches Geschäft vermissen Sie in der Altstadt Zürich?
Franz Carl Weber besonders in der Weihnachtszeit. Der hat für mich seit der Kindheit immer ein wohliges Gefühl von Magie ausgestrahlt.

Gibt es ein Kleid, das Sie nie wegwerfen würden?
Einige. Solche mit emotionalem Wert oder Stücke mit aufwändiger Machart, wie z. B. eine Handstickerei oder aus einem speziellen Stoff.

Wäre Ihre Wohnung ein Kleidungsstück, was für eins wäre es?
Ein buntes Ballkleid.

Was würden sie in einer neuen Wohnung als Erstes kochen? 
«Pasta al ragù» in einem grossen Schmortopf, da ist man direkt angekommen. Immer wenn wir unsere Grosseltern in ihrem Bauernhaus in der Provence besuchen, kocht mein Grossvater für die Neu ankommenden «Pasta al ragù» oder wie sie nun bekannt sind «Arrivé Pasta» - egal ob man morgens um 4.00 Uhr, mittags um 12.00 Uhr oder abends um 9.00 Uhr ankommt. Für mich gibt es kein Gericht das mehr Wärme, Heimeligkeit und das Gefühl von Ankommen ausstrahlt. Genau das richtige für eine neue Wohnung!

Wohin ziehen Sie sich in Zürich zurück?
Frühmorgens in ein Café.

Welches ist ihr liebstes Küchengerät?
Meine Pfannen und Schmortöpfe.

Was haben Sie immer im Kühlschrank?
Apérogetränke und ja genügend Butter zum Kochen. Ich halte es wie die Franzosen, besser mehr als weniger Butter.

Wohin ziehen sie sich zuhause zurück, wenn Sie Ihre Ruhe haben wollen?
Irgendwo mit einem Buch-, wenn ich lese dann nehme ich das Aussenrum nicht mehr so richtig wahr.

Wenn Sie in Ihrem nächsten Leben ein Haus wären, was für ein Haus möchten Sie sein?
Eines an einem schönen Ort mitten in der Natur, mit einer grossen Küche für die Familie, die darin wohnt und die Gäste die sie empfangen. 

Wenn ihr Haus in der Nacht wandern könnte – wo würden Sie am liebsten erwachen?
An einer Meeresküste, z. B. in Schottland oder der Bretagne. 

Was ist für sie Heimat: der Ort, die Freunde, die Sprache, das Essen...?
Kleine Momente. Wie das abendliche Kochen mit meinem Mann, während unsere kleine Tochter daneben zusieht oder am frühen Morgen in der Provence einen Kaffee trinken und aufs Feld schauen oder mit der Luftseilbahn in Mürren ankommen. 

Ist ihr Esstisch rund, oval oder eckig und weshalb?
Eckig, er ist ein Erbstück und bedeutet mir viel. Meine Mutter hat ihn von ihrem Vater bekommen und ihn, als ich von daheim ausgezogen, mir weitergegeben. Schon mein Grossvater ass als Kind an diesem Tisch. 

Machen sie zuhause Sport und wenn ja welchen?
Mit meinem Hund Monti spazieren gehen.

Sind sie gern allein?
Ja.

Was machen sie in tropischen Sommernächten?
Wenn möglich in die Höhe fliehen und dort kühlere Nächte geniessen.

Wovon sollten Sie sich trennen, können es aber nicht?
Bücher.

Ihr Lieblingswort?
«Catasterism» – ein Wort aus der griechischen Mythologie. Es bedeutet so viel wie zwischen den Sternen platziert werden, sprich zum Sternbild gemacht werden.

 

Fotos: Rafael Palacio Illingworth
Konzept und Styling: Michèle Boeckmann
Haare und Make-up: Elin Dannecker
Fragebogen: Stefan Zweifel

Die interviewten Personen suchen sich die Fragen aus dem Fragebogen selbst aus.

Susan Zimmermann mit Juno und Leon

Susan Zimmermann is Ghanaian/Swiss, and mother of two. She’s making a childrens’ brand that creates awareness and connection to clothing; establishing a Fibershed in Switzerland; and, works part time at Beldona as project lead for sustainability. We visited the family in Zürich, Kreis 4 and had a chat.

 

What did you miss most during the lockdown?
Going to concerts and dancing in a room full of sweaty people (and I still do). 

What did you discover for yourself during the lockdown?
Breathwork and guided meditations.

Which film would you like to see again?
«Café de Flore».

What would you cook first in a new flat?
Pasta with tomato sauce so the kids automatically feel at home (that, or oatmeal cookies).

What is your greatest luxury at home?
Reading when the kids are at home (and awake) or taking a bath by myself.

Which work of art would you like to hang or put up at home?
«The space congregation» by Tau Lewis.

Do you have plants at home?
Yes, but not enough. 

What do you always have in the fridge?
Butter.

If your home could wander in the night - where would you most like to wake up?
In Ghana.

What is home for you: the place, the friends, the language, the food...?
Definitely the people. I remember the first time I really felt at home somewhere was in Geneva, and it was because of the people.

Where can you get the best vegetarian food?
Hands down, «Gül Restoran».

Your favourite series?
«The new pope» or «Insecure» can't choose.

 

Fotos: Rafael Palacio Illingworth
Konzept und Styling: Michèle Boeckmann
Haare und Make-up: Davide Asquini
Fragebogen: Stefan Zweifel

Die interviewten Personen suchen sich die Fragen aus dem Fragebogen selbst aus.

Home Philosophy 3

Home Philosophy 3 Simon Trüb

Illustration Simon Trüb


Das Geheimnis des Zusammenlebens: „Idiorhythmie“ 

„Wie zusammen leben?“ Diese Frage stellte sich uns allen im letzten Jahr unter dem raschen Wechsel der Regeln unseres Alltags. Wie lebt man zusammen, wie lebt man aneinander vorbei? Wie baut man die neuen Erfahrungen in den Tages- und Nachtrhythmus ein, wenn sie nicht mehr von oben verordnet sind? Wie baut man den eigenen Rhythmus in das Konzert des künftigen Beisammenseins ein.

Genau diese Fragen stellte sich der französische Denker Roland Barthes 1976 in seiner vorletzten Vorlesung unter dem Titel „Comment vivre ensemble“? Noch lebte er selbst mit seiner Mutter in einer Wohnung in der Nähe der Place St-Sulpice in Paris. Ahnte er schon, dass seine Mutter bald sterben und die Zeit der eigentümlichen Symbiose mit ihr vorbei sein würde? Dass sie ihn nicht mehr durch eine Falltür im Zimmerboden mit einem Korb voll Post, Bücher und Essen versorgen würde? 
Wie zusammenleben in einer anderen, neuen Gemeinschaft? Wie könnte er seinen eigenen Lebens-Rhythmus, seinen „Idiorhythmus“, gegen die Zwänge der Gemeinschaft verteidigen? Er erinnert sich an das Kloster auf dem Athos-Berg in Griechenland, an dessen Abhängen durchaus exzentrische Eremiten hausen, die sich nur gelegentlich treffen – so wäre das ideale Zusammenleben, dachte Barthes, in einer Gruppe zwischen drei und acht Leuten denkbar, die je und je im „Idiorhythmus“ ihrer eigenen Lust durch den Tag wandeln, wobei sich die Schwingungen ihrer Rhythmen im Idealfall zu einer Harmonie ergänzen würden.

„Comment vivre ensemble“ setzt dort an, wo Barthes grandioses Buch „Fragmente einer Sprache der Liebe“ aufhörte. Ihm war im realen Leben „die Bande“ seiner FreundInnen zwar lieb, aber auch zuwider. Er geht jeder Ansammlung aus dem Weg, trifft die Freunde lieber nacheinander zu zweit als miteinander „zuvielt“. Denn in der Gruppe herrscht letztlich doch immer eine gewisse Gleichgültigkeit, eine In-Differenz; nur zu zweit kann das Spiel der Differenzen zugelassen werden.

„Ich möchte gemäss der Nuance leben“. So etwa im „Teeismus“ des Taoismus, wenn der Tee simmert und sich die Blasen als Fischaugen in einem Bach zeigen, der nach und nach wieder zur sprudelnden Quelle, zur Selbstgeburt wird.

Im Echoraum romanhafter Fragmente lässt Barthes in seiner Vorlesung den Blick von der Terrasse des Klosters Athos über das Meer schweifen, in dessen Tiefe Bänke von weiblichen und männlichen Fischen übereinander schweben, um sich zu befruchten; vor dem Fenster ein Blumenstrauss, den man vom Bett aus in fiebriger Müdigkeit als ewiges Versprechen eines utopischen Glücks betrachtet und dabei wie Prousts Romanfigur Marcel auf den erlösenden Kuss der eigenen Mutter wartet. Nach ihrem Tod 1977 wird für Barthes diese Utopie des Zusammenlebens zu einem „Atopos“ – „ortlos“, nur im Imaginären erahnbar. Dabei gab es in der Populärkultur bereits ein Vorbild dafür, wie man in einer Gemeinschaft die „Idiorhythmen“ zur Entfaltung bringen kann: Barbapapa und sein utopisches Haus.

Im Barbapapamamahaus

An diesen utopischen Ort einer Gegenwelt erinnert jenes Haus, das Barbapapa mit seiner Familie draussen vor der Stadt baut, nachdem sie aus einer alten Villa vertrieben worden waren, die abgebrochen wurde, um Betonklötzen mit Wohnzellen zu weichen. Zunächst drängt sich die Barbapapa-Familie noch in eine solche Wohnung, doch dann flieht sie aus der Stadt auf einen Hügel. Den Ansturm von Baggern und Abbruch-Birnen wehren sie mit Bomben aus süss-klebriger Marmelade ab und bauen sich ihr Traumhaus: Rund an rund fügen sich die Räume. 
Barbapapa und Barbamama liegen im Bett und lassen sich von Barbabella ein Getränk servieren, aus den flötenförmigen Kaminen von Barbalalas Raum dringen musikalische Noten, während Barbawum unter schweren Hanteln schwitzt und Barbakus die Wände seines Zimmers mit Rechentafeln überzieht als wäre es die zweite Etage des barocken Hauses, wie es Gilles Deleuze in seiner Studie „Die Falte“ über den Barock beschrieb. Ja, letztlich ist dieses Haus barock: Jedes Individuum kann sich frei entfalten. Mittendrin das Studio von Barbabo – so fühlt sich der wuschlige Maler wohl: Ohne Zwang kann er sich im Familiären entfalten, da ihn der Druck des Kapitals nicht im Würgegriff hat.

Das Bild dieses Hauses bestimmt bis in meine Träume hinein meine Vorstellung eines Traumhauses. In einem Zimmer würde meine tote Grossmutter von Hand ihre Ravioli formen, der Dampf der Sauce würde in ein Zimmer wandern, wo mein Freund Plinio für seine Kinder auf dem Klavier die Goldbergvariationen von Bach spielt, während ein anderer Freund schon die Figuren auf dem Schachbrett ordnet, die wir zum Klang des Ping-Pong-Balls ziehen, das von den Kindern im Garten durch die Luft klickert.

Und wenn uns die Ordnungsmächte aus unserem Haus vertreiben würden, weil es von Spekulanten abgerissen werden soll, dann würden wir alle wie die beiden Freunde Serafin und Plum aus einem anderen Kinderbuch – „Serafin und seine Wundermaschine“ von Philippe Fix – in den Dachstock flüchten und drei Treppen in den Himmel bauen. Die unterste würden wir wieder oben anfügen und so freischwebend in den Himmel ausweichen. In einem harmonischen „Idiorhythmus“, der sich beim Bau dieser himmelstürmenden Treppe so sanft liebend überlagern würde wie in Barthes Leben mit seiner Mutter.

Und genau diesen eigenen Rhythmus werden wir alle in den nächsten Wochen und Monaten auf denjenigen unserer Liebsten abstimmen, um den Himmel der Freiheit zu geniessen, in dem Blau mit Blau verschwimmt, im blauen Bau unserer Wünsche, die wir uns nicht mehr nehmen lassen. 

Stefan Zweifel


Roland Barthes: «Wie zusammen leben – Vorlesung am Collège de France 1976-1977», Suhrkamp Verlag

Fanny Eisl

Fanny Eisl: «Zürich ohne enSoie wäre für mich nicht Zürich. Für mich gab es noch nie einen Geburi oder Weihnachten, wo nichts von enSoie auf der Wunschliste war. Meine Mutter hat uns schon als Kinder in enSoie Total Looks gesteckt, ich kann mich gut an eine Rosarote Latzhose erinnern.»

Als selbstständige Marketing-Strategin und Macherin liebt Fanny die schönen Dinge im Leben. Kein Wunder trifft man sich in ihrem Daheim an der Merkurstrasse in Zürich Hottingen - zum Essen, zum Trinken, zum Lachen und Weinen. Nina und Jakob haben sogar beide schon hier gewohnt, gleichzeitig, weil’s einfach ein richtiges Zuhause ist.

 

Welcher Geruch erinnert Sie an Ihre Kindheit?
Der Geruch von selbstgemachtem Zopf, meine Mutter hat jedes Wochenende aufs neue den besten Zopf der Welt gebacken.

Was zeigen Sie Freunden aus dem Ausland in Ihrer Stadt?
Die Badi Utoquai, sowas gibts ja echt nirgends sonst. Oft finden es Leute aus dem Ausland ein bisschen komisch, dass wir alle in den See zum Schwimmen gehen, aber ins «Uto» kann man ja auch, um Leute anzuschauen.

Haben sie zuhause Pflanzen?
Schnittblumen habe ich fast immer. Der Daumen ist leider nicht so grün wie ich mir das wünschen würde, daher gibt es nur eine, sehr unkomplizierte, mir wohlgesinnte Topfpflanze, die macht es für meine Verhältnisse schon ewig. Sie hat aus unerfindlichen Gründen selbst die Kakteen überlebt.

Wenn Sie in Ihrem nächsten Leben ein Haus wären, was für ein Haus möchten Sie sein?
Ich wäre wohl gerne ein altes Engadinerhaus, mit ganz dicken Wänden und vielen kleinen Zimmern, wo immer ganz viele Freunde zusammenkommen, viel gegessen und diskutiert wird.

Welches ist ihr liebstes Küchengerät?
Mein Gusseisentopf, der ist so gross, dass es für eine ganze Fussballmannschaft reicht! Ich hoffe fest, dass ich bald wieder viele Leute einladen darf.

Ist ihr Esstisch rund, oval oder eckig und weshalb?
Der ist eckig und vor allem ausziehbar, und somit immer bereit für viele Freunde.

Was ist ihr grösster Luxus zuhause?
Dass ich es mir leiste, alleine zu wohnen. Obwohl immer alle Freunde und Familienmitglieder willkommen sind, mag ich es sehr gerne alleine zu sein.

In welcher anderen Stadt würden Sie gerne leben?
Wien–ich war da noch nie. Die Vorstellung des Essens, der Wiener Humor und alles was zu Wien gehört, lässt mich davon träumen. Ich habe ein bisschen Angst, dass ich gleich bleiben werde. Aus irgendwelchen Gründen habe ich die Stadt komplett romantisiert und daher könnte es auch die riesen Enttäuschung werden.

Wo gibt es das beste Schnitzel?
In meiner Vorstellung natürlich in Wien. Hier in Zürich, bei meinem Onkel auf der Dachterrasse am Limmatquai. Da das schwer zu überprüfen ist, empfehle ich das Schnitzel im «ROSI» vom Stöckle Markus.

 

Fotos: Rafael Palacio Illingworth
Konzept und Styling: Michèle Boeckmann
Haare und Make-up: Davide Asquini
Fragebogen: Stefan Zweifel

Die interviewten Personen suchen sich die Fragen aus dem Fragebogen selbst aus.

We are reopening on Monday!

We are reopening our store at Strehlgasse 26 on Monday, March 1st 2021 at 10.00 a.m. and look forward to seeing you!
We kindly ask you to respect the following rules: 

→ Keep your distance to staff members and other customers (1.5 metres)
→ Wear a mask
→ Stick to the limits on numbers of people (see entrance door)

Our store is open:
Monday to Friday: 10.00–18.30
Saturday: 11.00–17.00.

We kindly invite you to continue shopping online.

Thank you for your patience and welcome back!
Meier Family and team

Joséphine, Alix und Mia Marfurt

Joséphine Marfurt (1992) ist in Zürich geboren und sesshaft. Sie arbeitet zu gleichen Teilen als selbständige Illustratorin und im Juwelier-Familienbetrieb.

Alix Marfurt (1988) ist in Zürich geboren und lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Zürich. Sie hat einen Wirtschafts-Hintergrund und macht zurzeit eine Weiterbildung im Bereich Atmospheric Design.

Mia Marfurt (1985) ist in Zürich geboren und lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Zürich. Sie ist Künstlerin und arbeitet im Familienbetrieb ACRUSH, wo sie ihr Atelier hat.

Wir haben die drei Schwestern bei ACRUSH fotografiert und uns unterhalten.

 
Welcher Geruch erinnert Sie an Ihre Kindheit?
Joséphine: Vanille, weil bei uns viel Süsses gebacken und gegessen wurde. Und der Geruch von Gurkensalat, der mich bis heute egal wo ich bin an Weihnachten erinnert. 
Mia: The Bodyshop Orange Duschgel, das war damals ganz neu. Tannechries an Weihnachten und Tabakpfeiferauchende Männer wie mein Grossvater Franco.
Alix: Altes Holz. Wir sind in einem alten Haus in der Altstadt aufgewachsen. Im Sommer roch es mit der Hitze im ganzen Haus besonders gut nach Holz.

Welches Geschäft vermissen Sie in der Altstadt Zürich?
Joséphine: Da gab es früher einen Einrichtungsladen in der Nähe des Rindermarkts mit einem Steinboden und drinnen roch es so gut. Jedes Mal wenn wir dort waren spürte ich ein solch schönes Gemütlichkeitsgefühl das ich bis heute suche. 
Mia: Die Bäckerei Bertschi, das Chäslädeli gleich nebenan und den alten Franz Carl Weber.
Alix: Dasselbe wie Joséphine. Ich weiss leider nicht mehr wie es geheissen hat. Und der Franz Carl Weber und Pastorini.

Gibt es ein Kleid, das Sie nie wegwerfen würden?
Joséphine: Die Fissore Cashmere Pullis unserer Eltern aus den 1980er-Jahren, die es weit vor unserer Zeit gab und es weit nach unserer Zeit geben wird.

Was vermissten Sie während des Lockdown am meisten?
Joséphine: Ich hatte plötzlich eine wahnsinnige Sehnsucht zu Reisen, obwohl ich sonst sehr selten reise. 
Mia: Ausgang mit Freunden und die Nähe zu meiner Familie.
Alix: Eigentlich nichts.

Was haben Sie während des Lockdowns neu für sich entdeckt?
Mia: Dass ich sehr gut ein paar Wochen «nur» mit meiner kleinen Familie leben kann, ohne jegliche Ablenkung. 
Alix: Nicht zu viel zu wollen und zu müssen.

Welchen Film möchten Sie noch einmal sehen?
Joséphine: Ich würde viele Filme gerne wieder zum ersten Mal sehen. «Call me by your name» oder «Monsieur et Madame Adelman» zum Beispiel.
Mia: «The Party» und «Fearless Vampire Killers», obwohl ich die schon 100-mal gesehen habe. 

Was lieben Sie an Zürich am meisten?
Mia: Den Sommer mit seinen Badis ums Seebecken und dass ich hier aufgewachsen bin.
Alix: Dass alles so nahe ist. Man kann eigentlich alles zu Fuss erledigen.

In welcher anderen Stadt würden Sie gerne leben?
Joséphine: Wien, Mailand oder Paris.
Mia: Paris oder Mailand 
Alix: Ich glaube langfristig in keiner anderen.

Was für ein Haustier wären Sie am liebsten und weshalb?
Joséphine: Ich habe einen lieben Kater der mich seit 15 Jahren begleitet. Sein Leben kommt mir schön vor, denn jeder freut sich unheimlich wenn er ihn sieht, er wird immerzu gekrault und ihm wird jeder Wunsch von den Augen abgelesen. Deshalb wäre ich wohl am liebsten er.

Haben Sie Spielsachen aus ihrer Kindheit aufbewahrt und wenn – welche?
Joséphine: Meine Barbiekollektion und die Polly Pockets Kollektion sind noch im Estrich. Eines Tages werde ich es vielleicht schaffen diese loszuwerden. 

Was würden sie in einer neuen Wohnung als erstes kochen?
Joséphine: Man sagt doch, wenn man ein Haus verkaufen will, soll man einen Kuchen drin backen. Dann würde ich das tun, einfach um einen tollen, vertrauten Duft zu verteilen.
Alix: Ein Brot, damit es gut riecht.

Gehen sie in den Ferien lieber in ein Hotel oder mieten Sie etwas?
Joséphine: Beides hat seinen Charme und seine Vorteile. Im Hotel ist man eher Gast, wenn man mietet ist man dafür freier und selbständiger.
Alix: Etwas zu mieten ist eine schöne Vorstellung. Seit ich Kinder habe gehe ich aber gerne in kleine Hotels. Das ist momentan erholsamer für mich. Das kann sich aber sicherlich ändern, sobald sie etwas älter sind.

Wohin ziehen Sie sich in Zürich zurück?
Mia: Bei mir zuhause oder im Sommer in die Frauenbadi beim Fraumünster (aber nur morgens)!
Joséphine: Dito.
Alix: Bei mir zuhause.

An welchen Geräuschen merken Sie beim Erwachen, dass Sie zuhause sind?
Joséphine: Wenn ich ein lautes Miauen oder Kirchenglocken höre.
Alix: Kinderstimmen und das Tram.

Was zeigen Sie Freunden aus dem Ausland in Ihrer Stadt?
Mia: Die Kronenhalle Bar und die Sigmar-Polke-Fenster im Grossmünster.
Joséphine: Im Sommer eine unserer schönen Badis. 
Alix: Den Zürichsee

Was ist ihr grösster Luxus zuhause?
Joséphine: Eine eigene Waschküche und ein zuverlässiger Boiler.
Mia: Einen grossen Garten.
Alix: Unseren Bastel/Büroraum. Dafür haben wir das separate Esszimmer geopfert und es hat sich gelohnt.

Welches Kunstwerk würden Sie gerne zuhause aufhängen oder aufstellen?
Mia: Etwas von Isa Genzken, Valie Export, Pilvi Takala, Mika Rottenberg oder Cady Noland.

Haben sie zuhause Pflanzen?
Joséphine: Nein, aber ich finde es bei anderen immer sehr schön. Leider habe ich ein Trauma aus der Schulzeit, wo wir in einem Raum ca. 25 Pflanzen hatten und dementsprechend Fliegen und Blattläuse, aber sonst bin ich sehr pro Pflanze. Blumen sind mir für mein Zuhause lieber.
Alix: Bis jetzt nicht, aber ich mag sehr gerne Blumensträusse.

Welches ist ihr liebstes Küchengerät?
Joséphine: Toaster und Wasserkocher.
Mia: Meinen Vitamix Turbomixer.
Alix: Die Kaffeemaschine. 

Was haben Sie immer im Kühlschrank?
Mia: Milch, Butter, Konfitüre 
Joséphine: Zitronen und Tiefkühlgemüse.
Alix: Vollmilch.

Wohin ziehen sie sich zuhause zurück, wenn Sie Ihre Ruhe haben wollen?
Joséphine: Auf einen Sessel direkt vor dem Fenster oder ins Bad. 
Mia: In mein Bett.
Alix: In die Badewanne.

Und in der Stadt?
Joséphine: Dann spaziere ich gerne in der Altstadt herum. Auf den Lindenhof oder in kleinen verwinkelte Gassen. 
Alix: Dito

Was fehlt vermissen Sie in den Ferien (von zuhause)?
Joséphine: Wenn ich im Ausland bin: die Sprache. Ich finde Schweizerdeutsch so eine lustige Sprache und irgendwann, man glaubt es kaum, fehlt sie mir.
Alix: Das Kochen.
Mia: Den Geruch von zuhause.

Wenn Sie in Ihrem nächsten Leben ein Haus wären, was für ein Haus möchten Sie sein?
Joséphine: Ein altes Grandhotel in einem verschneiten Dorf.

Vermissen sie Wolkenkratzer in der Schweiz?
Joséphine: Ich mag es, dass Zürich wie ein Disney Städtchen aussieht. Das ist ein Teil der Gemütlichkeit, die ich hier so schätze. 

Ist ihr Esstisch rund, oval oder eckig und weshalb?
Mia: Arrigo Cipriani besteht ja auf runde Tische, da Ecken zu Hierarchie-Konflikten in der Sitzordnung führen können. Ich finde runde Tische gut als Bistrotische. Sonst lieber mit Ecken. 

Sind sie gern allein?
Joséphine: Extrem. Ich liebe meine Freunde und meine Familie, aber irgendwann ist bei mir die Batterie aufgebraucht und dann will ich ganz alleine sein. 
Mia: Ja, ohne Zeit für mich wird es eng. 
Alix: Ja sehr, aber dann ironischerweise meistens am Telefonieren.

Worauf werden Sie in Zukunft verzichten, um klimaneutral(er) zu leben?
Joséphine: Ich esse aus dem Grund bereits vegetarisch, versuche Kleider möglichst lange zu tragen und bin das letzte Mal vor zwei Jahren geflogen. Aber es gibt so unendlich vieles was man noch besser machen könnte.
Mia: «Coffee to go» Becher. Ich habe zwar einen «reusable», vergesse diesen aber ständig zu Hause und weniger Fliegen. 

Haben Sie einen Lieblingssschmuck?
Joséphine: Ein Goldring von meinem Vater, den er mir vor ein paar Jahren zu Weihnachten gemacht und geschenkt hat. Und eine Kette mit einem Bronzeabguss eines Krähenfusses, die er früher selber trug. 
Mia: Meinen Verlobungsring und einen Schlangenring, auch von meinem Vater, der mich beschützen soll.
Alix: Eine schöne Kette von meinem Mann, die mein Vater gemacht hat, mit den Namen unserer Kinder.

Wo gibt es das beste Schnitzel?
Mia: Im «Amadeus» in Schlieren, ich war allerdings erst einmal seit der Sohn übernommen hat. Es war genauso gut.

Wo gibt es das beste Glace?
Mia: Im «Grom» in Rom
Joséphine: Wohl in Italien. In Zürich mag ich «Gelati Tellhof» oder das Tartufoeis im «Italia».

Was machen sie in tropischen Sommernächten?
Joséphine: Ich glaube ich bin eine der einzigen die sowas liebt. Dann schlafe ich am liebsten wie ein Seestern ausgebreitet bei offenem Fenster und lege mir ein kaltes, nasses Frotteetuch über die Waden. 
Alix: Ich denke an die vielen kalten Nächte in denen ich gefroren habe und versuche dankbar für die Hitze zu sein.

Was wird die Welt Ihrer Kinder am stärksten von Ihrer Welt unterscheiden?
Joséphine: Die Technik. Mir graust es bereits vor dem Tag, wenn ich wie meine Eltern jetzt, vor einem Gerät stehe und es einfach nicht verstehe und meine Kinder zur Hilfe rufen muss. 

Welches ist ihr Lieblingsmöbel?
Joséphine: Mein grosser runder Arbeitstisch, den eine alte Frau meiner Mutter vermacht hat und sie mir. Er ist aus unbehandeltem Holz und von Messerschnitten und Farbflecken gezeichnet. Ich frage mich manchmal was auf ihm vor mir kreiert wurde. 
Mia: Unser Poltrona Frau Chesterfield Sofa und «Gli Amici» von Gaetano Pesce für die Kids wäre super. 
Alix: Eine Glaslampe von Carlo Nason für Mazzega. 

Was nehmen sie aus den Ferien als Erinnerung nach Hause mit?
Joséphine: Am liebsten wochenlang Sand, den ich überall auf wundersame Weise finde.
Mia: Muscheln vom Strand
Alix: Meistens Gerichte, die ich dann zuhause «freestyle» versuche nachzukochen.

Ihr Lieblingsmaler?
Mia: Da habe ich viele z. B. Elizabeth Peyton, Vivian Suter, Laura Owens, Lucie Stahl, Sigmar Polke, Rob Pruitt, Albert Oehlen, Katharina Grosse, Martin Kippenberger, Josh Smith, Michele Abeles, Frederike Feldmann, David Hockney, Félix Vallotton, Charline von Heyl oder Adolf Dietrich…

Ihre Lieblingsnamen?
Joséphine: Ich bin sehr glücklich wie ich getauft wurde. Vielleicht starte ich eines Tages eine Reihe an Joséphine Juniors, wie das die Männer früher taten. 

Ihr Lieblingswort?
Joséphine: Ich sage sehr oft «gemütlich». 

Wann haben sie sich zuletzt selbst gegoogelt?
Joséphine: Als ich mich irgendwo beworben habe. 
Mia: Als ich diese Frage las. 

 

Fotos: Rafael Palacio Illingworth
Konzept und Styling: Michèle Boeckmann
Haare und Make-up: Davide Asquini
Fragebogen: Stefan Zweifel

Die interviewten Personen suchen sich die Fragen aus dem Fragebogen selbst aus.

Roman Selim Khereddine & Modulaw

Hécatombe
Videoinstallation, 2021
21'34"

Ausstellung: 1. 3.–7. 3. 2021
Täglich geöffnet von 14.00–18.00 Uhr oder nach Vereinbarung, +41 76 507 86 73
Begrenzte Kapazität (5 Personen)
Rindermarkt 23
8001 Zürich

Poster:
Erhältlich in 3 Varianten
Nummeriert und signiert (Edition of 10)
CHF 35.-

Weisst du, was eine Hekatombe ist? Ich assoziierte dieses Wort mit nuklearer Kriegsführung und so zog ich es vor, nicht zu antworten. Aber [er] fragte weiter. Ein Disaster, sagte ich, eine Katastrophe? Nein, sagte er, eine Hekatombe ist ein Opfer von hundert Stieren auf einmal. Es kommt vom griechischen hekaton, was «einhundert», und von bous, was «Rind» bedeutet. Es gibt Überlieferungen aus der Antike, in denen von fünfhundert geschlachteten Stieren die Rede ist. Kannst du dir das vorstellen? Ja, ich kann mir alles vorstellen.
– Roberto Bolaño, Amuleto, 1999

Roman Selim Khereddine (geb. 1989) hat Masterabschlüsse in Geschichte, Islamwissenschaften und Fine Arts. Seine künstlerische Praxis umfasst Malerei und Zeichnung, Skulptur und Installation sowie Text und Video. Er wird dieses Jahr unter anderem im Helmhaus Zürich und im MASI Lugano ausstellen. Er lebt und arbeitet in Zürich.

Modulaw ist das Alias von Merlin Züllig (geb. 1996). Er hat Musik & Medienkunst sowie Sounddesign studiert. Seine künstlerische Praxis bewegt sich zwischen Klangkunst, Komposition für Film & Theater, Produktionen für Vokalisten und eigene Werke. Er lebt und arbeitet ebenfalls in Zürich.