Stephanie, Lovis und Emil Kunz

Stephanie Kunz (1976) ist internationale Visagistin und Fotografin. Nach vielen Jahren in Paris, ist sie mit Ihrer Familie in Ihre Heimatstadt zurückgekehrt.

Lovis Valeska Kunz (2005) verbrachte Ihre ersten sechs Lebensjahre
in Paris und lebt nun mit Ihrer Familie in Zürich wo sie das Liceo Artistico besucht.

Emil Beau Kunz (2009) lebt in Zürich. Seine Leidenschaften sind Tennis, Fussball, schwimmen und gamen.

 

Welcher Geruch erinnert Sie an Ihre Kindheit?
Stephanie: Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

Welches Geschäft vermissen Sie in der Altstadt Zürich?
Stephanie: Tansini, Racher und Fiorucci.

Gibt es ein Kleid, das Sie nie wegwerfen würden?
Stephanie: Alle selbstgenähten und gestrickten Kleider, Pullover, Pulswärmer, Schals meiner Grossmutter.

Was vermissten Sie während des Lockdown am meisten?
Stephanie:
-    Die Massagedüsen im Schwimmbad Fohrbach
-    Konzerte, verschwitzte, durchtanzte Klubnächte
-    Händeschütteln, Wangenküsse, Umarmungen
-    Diners mit meinen Eltern und Freunden
-    Meine Freunde im Ausland nicht besuchen zu können

Was haben Sie während des Lockdowns neu für sich entdeckt?
Stephanie: Kochen ohne Zeitdruck.

Welchen Film möchten Sie noch einmal sehen?
Stephanie: «Santa Sangre» von Alejandro Jodorowsky, obwohl ich Horrorfilme schlecht verdaue und sie mich lange begleiten.

Was lieben Sie an Zürich am meisten?
Stephanie: Den Zürichsee.
Lovis: Ich mag das man in 15 min. überall ist und im Sommer ins Letten oder an See baden gehen kann.

In welcher anderen Stadt würden gern/ könnten Sie leben?
Stephanie: Genua, Marseille.
Lovis: London, Paris, New York.

Haben Sie Haustiere?
Alle: Ja, Katzen (Milou und Moustache) und Hunde.

Was für ein Tier wären Sie gern – und warum?
Stephanie: Am liebsten eine Schwalbe oder ein Adler, «free as a bird».

Was wären Sie, wenn Sie eine Tageszeit wären?
Stephanie: Der Morgen, der Sonnenaufgang.
Emil: Ich wäre der Abend.

Was wären Sie, wenn Sie ein Musikstück wären?
Stephanie: Curtis Mayfields «Move On Up», um nur eines von so so so vielen zu nennen.

Was wären Sie, wenn Sie ein Duft wären?
Stephanie: Patchouli.

Was wären Sie, wenn Sie ein Möbelstück wären?
Stephanie: Eine Lampe.

Was würden Sie in einer neuen Wohnung als erstes kochen?
Stephanie: Poached Eggs.
Lovis: Ich glaube ein Linsen Dal.

Gehen Sie in den Ferien lieber in ein Hotel oder mieten Sie etwas?
Alle: Mieten.

Wohin ziehen Sie sich in Zürich/ zurück?
Stephanie: In den Wald.

Was zeigen Sie Freund:innen aus dem Ausland in Ihrer Stadt?
Stephanie:
-    Den Zürichsee
-    Die Kronenhalle Bar
-    Kunsteisbahn Dolder
-    Brockenhäuser
Lovis: Der Letten, den See und die Plätze, an denen meine Freunde und ich immer sind.

Haben Sie zuhause Pflanzen?
Lovis: Ja, in meinem Zimmer habe ich eine grosse Monstera. 

Welches ist Ihr liebstes Küchengerät?
Stephanie: «Zyliss».

Was haben Sie immer im Kühlschrank?
Stephanie: Senf

Was vergessen Sie beim Einkaufen immer wieder?
Stephanie: Zürisäcke.

Wohin ziehen Sie sich zuhause zurück, wenn Sie Ihre Ruhe haben wollen?
Stephanie: Bett oder Badewanne.

Was fehlt ihnen/ vermissen Sie in den Ferien (von zuhause)?
Stephanie: Nichts.

Wenn Sie in Ihrem nächsten Leben ein Haus wären, was für ein Haus möchten Sie sein?
Stephanie: Ein Baumhaus.

Gingen Sie in der eigenen Stadt schon mal in ein Hotel?
Stephanie: Ja.

Wenn Ihr Haus / Ihre Wohnung in der Nacht wandern könnte – wo würden Sie am liebsten erwachen?
Stephanie: Am Meer, in einer verschneiten Berglandschaft oder Woodstock 1969.

Vermissen Sie Wolkenratzer in der Schweiz? 
Emil: Nein 

Was ist für Sie Heimat: der Ort, die Freund:innen, die Sprache, das Essen...?
Stephanie: Alles zusammen und von allem ein bisschen viel.

Ist Ihr Esstisch rund, oval oder eckig und weshalb?
Stephanie: Eckig und lang – egal, es müssen möglichst viele Leute daran Platz haben.

Sind Sie gern allein?
Stephanie: Jein.
Lovis: Nicht immer aber ich brauche immer wieder meine Ruhe.

Wen würden Sie gerne einmal ein Wochenende zu sich nach Hause einladen?
Stephanie: Rick Stein.
Emil: Natürlich meinen besten Freund.

Worauf werden Sie in Zukunft verzichten/ könnten Sie am leichtesten verzichten, um klimaneutral(er) zu leben?
Stephanie: Auto, obwohl ich noch nie ein eigenes besass.

Haben Sie einen Lieblingssschmuck?
Stephanie: Vintage Hermès Armband.
Lovis: Eine Kette, die mir meine Mutter geschenkt hat und eine Kette welche mir mein Vater geschenkt hat.

Wo baden Sie am liebsten im See, im Meer oder in der Badewanne?
Stephanie: Ich bade überall fürs Leben gern. Im Fluss, Bach, Brunnen, See, Meer, Weiher, Badewanne…

Wo gibt es das beste Schnitzel?
Stephanie: Bei meinem Nachbarn, Richie Dorfmeister.
Emil: Bei meinem Vater.

Wo gibt es das beste Glace? 
Emil: Beim «Sorbetto».

Stört es Sie, wenn die Nachbarn laut Sex haben?
Stephanie: Nein, im Gegenteil.

Was machen Sie in tropischen Sommernächten?
Stephanie: Nacktbaden im See oder im Wehrenbach.
Lovis: Mit Freunden nachts baden.

Wovon sollten Sie sich trennen, können es aber nicht?
Stephanie: Meine nächtlichen Ausflüge an den Kühlschrank.
Lovis: Von vielen Kleider die ich nicht anziehe.

Welche Farbe dominiert in Ihrer Küche?
Stephanie: Rot.

Welches ist Ihr Lieblingsmöbel?
Stephanie: Feuerschale.

Was war Ihr schönstes Geburtstagsgeschenk? 
Stephanie: Eine Bob Marley Performance von meinen Freundinnen und Freunden.

Was nehmen Sie aus den Ferien als Erinnerung nach Hause mit?
Stephanie: Steine.

Lieblingsmaler:in?
Stephanie:
-    Meine Kinder Lovis und Emil
-    Vittorio Brodmann
-    David Hockney
-    Luchita Hurtado

Ihr Lieblingswort?
Stephanie: «Schatz» und «so guet».

Ihre Lieblingsserie?
Stephanie: «Die Muppet Show».

 

Fotos: Rafael Palacio Illingworth
Konzept und Styling: Michèle Boeckmann
Fragebogen: Stefan Zweifel

Die interviewten Personen suchen sich die Fragen aus dem Fragebogen selbst aus.

Home Philosophy 6

Home Philosophy 6, Stefan Zweifel

Illustration: Simon Trüb

 

Im Haus der Sprache

„Die Sprache ist das Haus des Seins.“ Man muss das vielleicht nicht so hochgestochen meinen wie der deutsche Philosoph Martin Heidegger, von dem dieser Spruch stammt. Man kann es auch ganz kindlich verspielt verstehen wie Peter Bichsel in seiner Geschichte Ein Tisch ist ein Tisch: Ein einsamer Mann fühlt sich in der konventionellen Sprache nicht mehr wirklich zu Hause, sie langweilt ihn. Deshalb beginnt er allem einen anderen Namen zu geben. Ein Tisch ist dann kein Tisch mehr, sondern ein „Teppich“, und das Bett nennt er „Bild“, die Zeitung umgekehrt „Bett“. Das freut ihn und er lacht, wenn er am Morgen aus dem „Bild“ steigt und sich an den „Teppich“ setzt, um einen Kaffee zu trinken und sich durch das „Bett“ zu blättern. Doch bald vereinsamt er in seiner Privatsprache, die niemand mehr versteht. Sein neues Haus, sein neues Heim wird ihm unheimlich.

Das Buch als Haus

So wie die Sprache ist auch jedes Buch ein Haus. Das Treppenhaus besteht aus den Klappentexten und den Zitaten zahlreicher Kritikerstimmen, die aus den unteren Etagen nach oben hallen. Gewisse Bücher, die Nobelhotels gleichen, erhalten als Eingangshalle ein Vorwort. Bei anderen hört man aus dem Keller der Fussnoten das aufgeregte Gerede der Gelehrten, die auf sich aufmerksam machen möchten.

Als Leser bewohnt man solche Bücher. Darunter gibt es solche, die man nur ganz allein bewohnen möchte. Man wäre verstimmt, wenn man zwischen den Kapiteln auf andere Leser träfe. Andere Bücher möchte man mit seinen Liebsten gemeinsam bewohnen. Und in gewissen Bestsellern herrscht so ein Gedränge, dass man schon vor dem Eingang sich abwendet als wäre das Buch-Haus ein Trump-Tower.

Schlägt man das Buch auf, legt man sich als Leser zwischen die Seiten wie zwischen Bettdecken und träumt in den Sprachräumen der Autoren. Der französische Autor Georges Perec ging diesem Phänomen in seinem Werk Träume von Räumen nach. Er fragt sich, was ein Raum ist, und beginnt die Suche mit seinem Bett, streift durch die Zimmer und Wohnungen, in denen er einmal geschlafen und geträumt hat, philosophiert über Häuser, Strassen und Städte, den Unterschied von Stadt und Land, die Funktion der Grenzen und die Fiktion der Nationen, um schliesslich im unendlichen Raum des Weltalls zu landen. Als Adresse gibt er an:

„Georges Perec
18, rue de l’Assomption
Treppenaufgang A
3. Stock
rechte Tür
Paris 16. Quartier
Seine
Frankreich
Europa
Welt
Universum.“

Das Haus als Buch

Doch vor seinem Streifzug durch das All aller Räume gibt Perec als Ur-Raum nicht das Bett im Zimmer, sondern die „weisse Seite“ an. Das ist der leere Raum, den er als Autor „bewohnt“. Die Idee, dass jede Seite ein Zimmer ist, hat ihn zu einem der radikalsten und kühnsten Experimente in der Geschichte der Literatur inspiriert. Zu seinem mathe-magischen Meisterwerk Das Leben Gebrauchsanweisung. Perec schildert in dem Roman ein banales Mietshaus an einem Abend im Jahr 1978. Man hüpft von Kapitel zu Kapitel, von Zimmer zu Zimmer, bis sich nach und nach das Rätsel eines exzentrischen Millionärs lüftet, der sein Leben einem Kunst- Experiment widmete, das fast so verrückt ist wie Perecs Roman selbst:

Für jedes Kapitel hat Perec, wie man erst später in seinem Nachlass herausfand, nämlich lange Listen mit Regelzwängen erstellt: Listen mit 42 Wörtern, Farben, Möbeln und Zitaten aus der Weltliteratur, die er nach mathematischen Regeln jedem der 99 Kapiteln zuordnete, wobei er sie im jeweiligen Kapitel so unterbringen musste, dass der Leser nichts merkt.

Dabei wandelt sich jedes Kapitel und jedes Zimmer in einen eigenen und ganz eigensinnigen Sprach-Raum. Um nicht in die Wort-Fallen zu tappen, muss man mit dem Spürsinn von Detektiv Columbo zwischen den Wort-Möbel und Vokal-Vasen über die Teppich-Zungen tappen. Damit unsere Leser nicht ins Stolpern geraten, enthüllen wir im Link die geheimen Leit-Wörter des besonders kuriosen Kapitels 3.

Als Leser wandelt man durch die wunderlichen Kapitel und Zimmer und wird in den nächsten Ferien nie mehr in eine Badewanne steigen, ohne daran zu denken, wer hier schon einmal gebadet hat; man wird unter den Schaum- und Wortblasen darüber sinnieren, was einen mit den früheren Touristen verbindet, was man in anderen Badewannen und Zimmern schon erlebt hat, und wird vielleicht, träumend und schäumend, zum Erfinder eines eigenen Sprachhauses.

Stefan Zweifel


Georges Perec:
Das Leben Gebrauchsanweisung – Romane, übers. Eugen Helmlé, diaphanes Verlag 2017
Träume von Räumen, diaphanes, übers. Eugen Helms, diaphanes Verlag 2016

FC Real Rosé

enSoie ist stolz, seine Unterstützung für den FC Real Rosé bekannt zu geben!
Real Rosé spielt in der Alternativen Liga Zürich.

 

Welcher Geruch erinnert Sie an Ihre Kindheit?
Frisch gemähter Rasen und warmer Beton.

Was vermissten Sie während des Lockdown am meisten?
Unser Training.

Was haben Sie während des Lockdowns neu für sich entdeckt?
Ballübungen in der Wohnung und Youtube Tutorials zum Thema «härter schiessen!».

Welchen Film möchten Sie noch einmal sehen?
«Mean Machine» und «Bend It Like Beckham».

Was wären Sie, wenn Sie eine Tageszeit wären?
Sommerabende: vom Fussballtraining zum Apéro.

Was wären Sie, wenn Sie ein Musikstück wären?
Die Real Rosé Spotify Playlist.

Was wären Sie, wenn Sie ein Duft wären?
Frisch gemähter Rasen und warmer Beton.

Was würden Sie in einer neuen Wohnung als erstes kochen?
Pastaplausch fürs ganze Team.

Gehen Sie in den Ferien lieber in ein Hotel oder mieten Sie etwas?
Hängt von unserer/m Trainingslager-Sponsor*in ab.

Wohin ziehen Sie sich in Zürich/ zurück?
Wir ziehen uns nicht zurück. Wir sind immer mit dabei. 

Was zeigen Sie Freunden aus dem Ausland in Ihrer Stadt?
Ein Spiel der Alternativliga.

Was ist Ihr grösster Luxus zuhause?
Flatscreen-TV und ein riesen Sofa, wo alle drauf Platz haben. Für den Theorieunterricht. 

Welches Kunstwerk würden Sie gerne zuhause aufhängen oder aufstellen?
Einen Pokal. 

Welches ist Ihr liebstes Küchengerät?
Flaschenöffner. 

Was haben Sie immer im Kühlschrank?
Rosé. 

Wohin ziehen Sie sich zuhause zurück, wenn Sie Ihre Ruhe haben wollen?
Auf die Mulde (das besagte, sehr grosse Sofa).

Wenn Sie in Ihrem nächsten Leben ein Haus wären, was für ein Haus möchten Sie sein?
Ein Lagerhaus. 

Wenn Ihr Haus / Ihre Wohnung in der Nacht wandern könnte – wo würden Sie am liebsten erwachen?
Trainingslager am Meer. 

Was ist für Sie Heimat: der Ort, die Freunde, die Sprache, das Essen...?
Freund*innen!!!

Ist Ihr Esstisch rund, oval oder eckig und weshalb?
Wir brauchen keinen Esstisch. Es lässt sich auch auf Parkbänken, Wiesen, Treppen etc. essen. 

Machen Sie zuhause Sport und wenn ja welchen?
«14 Fussballübungen für Zuhause».

Sind Sie gern allein?
Nur mit meinem Team!

Wen würden Sie gerne einmal ein Wochenende zu sich nach Hause einladen?
Das ganze Team, die Trainer*innen, die Fans.

Worauf werden Sie in Zukunft verzichten/ könnten Sie am leichtesten verzichten, um klimaneutral(er) zu leben?
Auswärtsspiele. 

Haben Sie einen Lieblingssschmuck?
Trillerpfeife. 

Wo baden Sie am liebsten im See, im Meer oder in der Badewanne?
Im Fluss und im See. 

Wo gibt es das beste Essen?
«Pizza Niente», «Mama’s Bäcki Lädeli».

Stört es Sie wenn die Nachbarn laut Sex haben?
Nein. Gönnet eu!

Was machen Sie in tropischen Sommernächten?
Training, in die Limmat springen, Rosé, Take-Away Znacht, Rosé, Tanzen bis die Sonne aufgeht, Rosé, in die Limmat springen. 

Welche Farbe dominiert (in Ihrer Küche)?
Rosa, Grün, Weiss. 

Welches ist Ihr Lieblingsmöbel?
Fussball. 

Lieblingsmaler*in?
Alle Maler*innen, die unsere viel zu saubere Stadt anmalen. 

Ihre Lieblingsnamen?
Real Rosé. Real Azül.

Ihr Lieblingswort?
Fairplay. 


Fotos: Rafael Palacio Illingworth
Konzept und Styling: Michèle Boeckmann
Fragebogen: Stefan Zweifel

Die interviewten Personen suchen sich die Fragen aus dem Fragebogen selbst aus.

Andreas Lumineau @ Rindermarkt 23

Andreas Lumineau, Fingerprints 2, Rindermarkt 23

Andreas Lumineau
Fingerprints 2
28. 5. – 5. 6. 2021

Opening:
27. 5. 2021, 15-19 Uhr

Exhibition:
28. 5. – 5. 6. 2021
Open daily from 14-19 Uhr

Rindermarkt 23
8001 Zürich

Niza Lou Waldburger

Niza Lou Waldburger arbeitete von 2014–2020 bei enSoie. Sie studiert Soziale Arbeit an der ZHAW und arbeitet nebenbei auf Autorenfilmen im Bereich der Produktion. Privat hosted sie gerne Karaoke-Parties.

 

Welcher Geruch erinnert Sie an Ihre Kindheit?
Wenn es in Marie-Galante sehr heiss wird und dann ein tropischer Regen fällt, dann sucht man sich einen vor dem Regen geschützten Ort und hält eine Weile inne. Danach breitet sich so ein bestimmter Geruch aus. Dieser Geruch finde ich auch in Zürich oder an anderen Orten wieder. Er erinnert mich dann an meine Besuche in der Karibik und wie ich dem Regen lauschte.

Gibt es ein Kleid, das Sie nie wegwerfen würden?
Ein altes baumwollen T-Shirt, dass sich meine Eltern früher geteilt haben und ich jetzt trage. Es hat den perfekten Schnitt und die besten Abstände zwischen den Bündchen, die ich kenne.

Was wären Sie, wenn Sie eine Tageszeit wären?
Die Abenddämmerung – der Übergang vom Licht des Tages zur Dunkelheit der Nacht.

Was wären Sie, wenn Sie ein Musikstück wären?
Ich wäre wohl eher ein vierzigminütiger Mix. 

Was wären Sie, wenn Sie ein Möbelstück wären?
Ein alter Diwan.

Was ist Ihr grösster Luxus zuhause?
Meine zwei kleinen Balkone.

Haben sie zuhause Pflanzen?
Ja, ich habe in den letzten Jahren gemerkt, wie schön es ist sich um diese zu kümmern und wie viel Freude es macht, ihnen beim Wachsen zuzusehen.

Wenn Ihr Haus / Ihre Wohnung in der Nacht wandern könnte – wo würden Sie am liebsten erwachen?
Ich würde in meinem fliegenden Bett (wie das von Pipi Langstrumpf) irgendwo unweit von einem verlassenen Strand erwachen. 

Ist Ihr Esstisch rund, oval oder eckig und weshalb?
Eckig, damit man sich auch zu zweit gegenübersitzen kann, ohne einen allzu grossen Abstand voneinander zu haben.

Wen würden Sie gerne einmal ein Wochenende zu sich nach Hause einladen?
Judith Butler und Simone de Beauvoir – wir würden uns dann zu Cocktails über das Frau geworden sein unterhalten.

Stört es Sie, wenn die Nachbarn laut Sex haben?
Nein, im Gegenteil es beglückt mich zu hören, wenn andere sich im Moment verlieren.

Was machen Sie in tropischen Sommernächten?
Ich gehe schwimmen, am liebsten nackt.

Was war Ihr schönstes Geburtstagsgeschenk? 
Meine Freundin June schenkt mir seit meinem 18. Geburtstag jährlich ein Fotoalbum, in dem alle prägenden Erlebnisse des vergangenen Lebensjahrs festgehalten sind. Gemeinsam mit unseren Freunden schauen wir uns dann an meinem Geburtstag alle Alben nochmals an. Das ist immer sehr witzig und berührend, weil unsere Freunde und verflossene Bekanntschaften darin vorkommen und June Kommentare dazu geschrieben hat. Ich freue mich jedes Jahr aufs Neue darauf. 

P.S. Sie stellt noch bis am 22. Mai am Rindermark 23 aus: June Fischer Where Pikachu meets Seabunny

Was nehmen sie aus den Ferien als Erinnerung nach Hause mit?
Meistens ein winziger Gegenstand, der mir auf meiner Reise in die Hände fällt. Den finde ich dann später oftmals in einer Seitentasche wieder und lege ihn zu meinem anderen Schmonzges

Ihr Lieblingswort?
Katharsis.

 

Fotos: Rafael Palacio Illingworth
Konzept und Styling: Michèle Boeckmann
Fragebogen: Stefan Zweifel

Die interviewten Personen suchen sich die Fragen aus dem Fragebogen selbst aus.

Leo Gretener

Leo Gretener ist Architekt, DJ und Co-Host von Dubsearch. Wir haben den langjährigen Freund des Hauses im neuen enSoie Zimmer @ Hotel Kindli fotografiert.

Über mehrere Monate wurde ein bestehendes Hotelzimmer von Eleonore Meier und Dominique Kastrinidis umgestaltet, um ihm die persönliche enSoie-Note zu geben. Stets im Einklang mit den traditionellen Gegebenheiten des Hauses. Entstanden ist ein stilvolles Zimmer im Herzen von Zürich mit Sinn für Intimität und Privatsphäre für Besucher*innen aus aller Welt. Book now!

 

Welcher Geruch erinnert Sie an Ihre Kindheit?
Piz Buin Sonnencreme – hat mich beim Lesen von Oskars Antworten sofort an meine Kindheit erinnert.

Gibt es ein Kleid, das Sie nie wegwerfen würden?
Nein – obwohl ich meine Kleider allgemein sehr lange behalte, bis sie halt wirklich nicht mehr tragbar sind.

Was vermissten Sie während des Lockdown am meisten?
Restaurants und Nachtclubs.

Was haben Sie während des Lockdowns neu für sich entdeckt?
Den Wochenmarkt.

Welchen Film möchten Sie noch einmal sehen?
«Some Like It Hot».

In welcher anderen Stadt würden gern/ könnten Sie leben?
Genua.

Was würden sie in einer neuen Wohnung als erstes kochen?
«Spaghetti alle vongole».

Gehen sie in den Ferien lieber in ein Hotel oder mieten Sie etwas?
Je nach Ferien und Ort.

An welchen Geräuschen merken Sie beim Erwachen, dass Sie zuhause sind?
Das Quitschen der Tramgleise.

Haben sie zuhause Pflanzen?
Nur so Kräuter zum Kochen.

Welches ist Ihr liebstes Küchengerät?
Pastamaschine.

Was haben Sie immer im Kühlschrank?
Tomatensaft.

Was vergessen Sie beim Einkaufen immer wieder?
Oft etwas, das ich dann erst beim Kochen merke.

Wohin ziehen sie sich zuhause zurück, wenn Sie Ihre Ruhe haben wollen?
Zuhause habe ich meine Ruhe.

Was fehlt ihnen/ vermissen Sie in den Ferien (von zuhause)?
Nichts.

Vermissen sie Wolkenratzer in der Schweiz?
Investoren-Statussymboltürme nicht nein, aber einige gute Beispiele mehr wie das «Lochergut» oder die «Hardautürme» würde es schon vertragen.

Genügen Ihnen vier Jahreszeiten oder könnten sie sich eine fünfte vorstellen?
Vier sind gut.

Ist Ihr Esstisch rund, oval oder eckig und weshalb?
Rechteckig und nicht zu breit, so kann man den endlos erweitern zu einer langen Tafel und sitzt nicht so weit auseinander.

Machen sie zuhause Sport und wenn ja welchen?
Ne, Sport mache ich draussen.

Sind sie gern allein?
Ab und zu.

Worauf werden Sie in Zukunft verzichten/ könnten Sie am leichtesten verzichten, um klimaneutral(er) zu leben?
Fliegen.

Wo baden sie am liebsten im See, im Meer oder in der Badewanne?
Im Meer.

Wo gibt es das beste Schnitzel?
Im «Eichhörnli» in Zürich.

 

Fotos: Rafael Palacio Illingworth
Konzept und Styling: Michèle Boeckmann
Fragebogen: Stefan Zweifel

Die interviewten Personen suchen sich die Fragen aus dem Fragebogen selbst aus.

Home Philosophy 5

Simon Trüb, Home Philosophy 5

Illustration: Simon Trüb

 

Im Faltenwurf des Zufalls

Das Kind kommt mit zweiundzwanzig Falten auf die Welt. Es muss sie nur noch entfalten. Dann ist das Leben des Menschen vollkommen.
Henri Michaux

Ursprünglich waren die Menschen, so kann man in Platos berühmtem Dialog „Symposion“ nachlesen, runde und rundum glückliche Kugelmenschen. Als Doppelwesen rollten sie mit vier Armen und vier Beinen durch die Welt, glücklich gepaart als mann-männliche, frau-weibliche oder androgyne Kugeln – unsterblich und unsterblich verliebt.

Da die Götter des Olymps eifersüchtig auf das Glück dieser Urmenschen wurden, teilten sie sie entzwei und falteten die Haut über den Wunden der Halbkugeln in der Mitte des Bauches zu einem Knoten zusammen; der Bauchnabel sollte sie als Strafe an ihre Sterblichkeit erinnern und an den Riss in ihrem Glück. 
Seither irren wir getrennt durch das Leben, jeder auf der Suche nach seiner verlorenen Hälfte. Wenigen nur ist es vergönnt, von liebender Sehnsucht getrieben diesen Urpartner wiederzufinden und abermals vollends glücklich zu werden. 

Der Mensch im „Zwiefalt“ 

Doch auch dann wird uns das Altern der Haut und die Faltung des Nabels daran erinnern, dass das uranfängliche Glück seit der Strafe durch die Götter des Olymps nie mehr ganz wiederzufinden ist – wir sind mit dem Tod tätowiert. 
Das würden wir gerne verdrängen: Heute tendieren die Autos zur glatten Stromlinien- oder Tropfenform, das Leben wird auf den Leinwänden Hollywoods glattgestrichen, da auf dem Zelluloid keine Zellulitis vorkommen darf, die Falten werden mit Botox weggespritzt. Der Mensch als Gleitmittel. Alles soll reibungslos funktionieren, doch was wäre eine Haut ganz ohne Widerstand? Man könnte sie nicht einmal mehr streicheln...
Dabei liegt das Glück wie das Leben in den Falten: Mit der ersten Zellteilung beginnt ein Abenteuer der ständigen Entfaltung, des Aufblühens, bis man sich wieder einfaltet und mit dem Tod in jenem Abgrund zwischen den Falten versinkt, aus denen man entsprungen ist. In diesem Sinn leben wir: im „Zwiefalt“ und Zweifel.
Es gibt nie einfache Lösungen und endgültige Wahrheiten. Mit dem Prinzip der Falte als Denkfigur wird der abendländische Glaube an den Menschen als allmächtigem Subjekt, das sich die Natur untertan machen darf, in Zweifel gezogen, denn er ist mit allen Objekten verfaltet und verfädelt. 

Das Kind im Faltenwurf

Schon der barocke Philosoph Leibniz entdeckte vor über 300 Jahren: Makrokosmos und Mikrokosmos sind wie die russischen Babuschka-Puppen unendlich tief ineinander verfaltet. Wenn man aus einem Teich mit Fischen einen Wassertropfen holt und unter das Mikroskop legt, entdeckt man in diesem Tropfen einen weiteren Weiher, in dem sich Fische tummeln, in deren Schuppen wiederum ein weiterer Weiher aufglänzt, der voller Fische ist ...
Der französische Denker Gilles Deleuze hat in seinem Buch „Die Falte“ die sinnliche Lust an diesem vielfältigen Phänomen philosophisch erkundet. Das Buch wurde nicht nur in Philosophenzirkeln ein Renner, sondern auch ein Dauerbrenner in der Modeszene. Man denke nur an die Abendroben von Mario Fortuny oder Issey Myakes  Knitterkleider „Pleats Please“.
Mit dem Prinzip der Falte erschüttert Deleuze unseren Glauben an die Einheit des Subjekts und die Eindeutigkeit der Vernunft. Die Falte ist nämlich nie Eines, sondern immer schon in zwei Teile gefaltet: Ein Zwiespalt. Ein Rätsel, das sich nicht durch eine einzige und eindeutige Wahrheit lösen lässt. Und auch der Mensch, dieses Rätseltier, lebt im Zwiefalt. 
Wenn er Glück hat trifft er seine andere Hälfte – und verfaltet sich mit ihr. Falls darauf eine neue Faltung (also: ein Kind) entsteht, kann man nur hoffen, dass dieser neue Mensch, vom Zufall beglückt, seine „zweiundzwanzig Falten“ im Lauf seines Lebens entfalten kann – wie ein perfekt geschnittenes Kleid mit seinem Faltenwurf.

Stefan Zweifel

 

Gilles Deleuze: Die Falte, Suhrkamp Verlag


 

Christian Forrer und Kurt Lambert

Christian Forrer, 47 aus Eglisau und Kurt Lambert, 53 aus Barbados sind die Gründer von ViCAFE. Wir haben das Unternehmer-Paar in ihrer Wipkinger Wohnung über den Dächern von Zürich besucht.
Seit 2016 gibt es das «Café enSoie by ViCAFE» auf der Lindentreppe zwischen Laden und Lindenhof.

 

Welcher Geruch erinnert Sie an Ihre Kindheit?
Christian Forrer: Der Geruch eines Heustocks in den Skiferien in Zuoz, Engadin.
Kurt Lambert: Der Geruch von Regentropfen auf einer heissen Teerstrasse.

Was vermissten Sie während des Lockdown am meisten?
CF: Menschen näher kommen zu dürfen, diese kühle 2 Meter Distanz ist schräg.
KL: Die Freiheit herumzugehen.

Was haben Sie während des Lockdowns neu für sich entdeckt?
CF: Stadtspaziergänge durch Quartiere.
KL: Meditation.

Welchen Film möchten Sie noch einmal sehen?
CF: «My Octopus Teacher»
KL: «Cinema Paradiso»

Was lieben Sie an Zürich am meisten?
CF: Die Unbekümmertheit mit der man sich bewegen kann.
KL: Eine überschaubare Stadt, die gut vernetzt ist.

In welcher anderen Stadt würden gern/ könnten Sie leben?
CF: Vancouver.
KL: Austin.

Was für ein Haustier hätten Sie gern – und warum?
CF: Ein Rhodesian Ridgeback. Unsere Hündin Lea starb letztes Jahr, ich möchte gern wieder denselben grossartigen Hund.
KL: Rhodesian Ridgeback.

Was für ein Tier wären Sie gern – und warum?
CF: Eine Katze, so wäre ich schlau und frei.
KL: Ich bin als Mensch ganz zufrieden.

Was wären Sie, wenn Sie eine Tageszeit wären?
CF: Morgen, 7 Uhr. Wenn alles noch frisch und neu ist.
KL: Morgen, 5 Uhr.

Was wären Sie, wenn Sie ein Musikstück wären?
CF: Sergei Rachmaninows 2. Klavierkonzert.

Was wären Sie, wenn Sie ein Duft wären?
CF: Ich weiss es nicht.
KL: Frisch gemahlener Kaffee.

Was wären Sie, wenn Sie ein Möbelstück wären?
CF: Ein grosser Holztisch.
KL: Ein Sofa.

Haben Sie Spielsachen aus Ihrer Kindheit aufbewahrt und wenn – welche?
CF: «Daueli », mein kleines Steiff-Äffchen dass ich zur Geburt geschenkt bekam (siehe Bild).
KL: Nein.

Was würden sie in einer neuen Wohnung als erstes kochen?
CF/KL: Spaghetti mit Tomatensauce.

Gehen sie in den Ferien lieber in ein Hotel oder mieten Sie etwas?
CF/KL: Hotel.

Wohin ziehen Sie sich in Zürich zurück?
CF: In unser Heim in Wipkingen.
KL: Wipkingen.

An welchen Geräuschen merken Sie beim Erwachen, dass Sie zuhause sind?
CF: Das leise Rauschen der Stadt und die munter pfeifenden Vögel.
KL: Die Vögel.

Was zeigen Sie Freunden aus dem Ausland in Ihrer Stadt?
CF: Die Altstadt und unsere «ViCAFEs».
KL: Der Zürichsee.

Was ist Ihr grösster Luxus zuhause?
CF: Unsere «La Marzocco» Kaffeemaschine.
KL: Die Aussicht über die Stadt auf die Berge.

Welches Kunstwerk würden Sie gerne zuhause aufhängen oder aufstellen?
CF: Ein Giacometti.
KL: Chillida.

Haben sie zuhause Pflanzen?
CF: Ja, ein Kaffeebaum und eine Strelitzie.
KL: Dasselbe.

Welches ist Ihr liebstes Küchengerät?
CF: Kaffeemaschine.
KL: Blender.

Was haben Sie immer im Kühlschrank?
CF: Parmesankäse.
KL: Schokolade.

Was vergessen Sie beim Einkaufen immer wieder?
CF: Kübelsäcke.
KL: Salz.

Wohin ziehen sie sich zuhause zurück, wenn Sie Ihre Ruhe haben wollen?
CF: Die Wohnung ist schon ruhig.

Und in der Stadt?
CF: Lindenhof.
KL: Waid.

Was fehlt ihnen/ vermissen Sie in den Ferien (von zuhause)?
CF: Einfache Speisen wie Brot, Käse, Cervelat.
KL: Samstagmorgen-Spaziergang durch die Stadt.

Wenn Sie in Ihrem nächsten Leben ein Haus wären, was für ein Haus möchten Sie sein?
CF: Ein modernes flaches Haus, dass in die Natur eingebettet ist.
KL: Ein modernes Haus aus Glas mit Sicht aufs Meer.

Gingen Sie in der eigenen Stadt schon mal in ein Hotel?
CF/KL: Nein.

Wenn Ihr Haus in der Nacht wandern könnte – wo würden Sie am liebsten erwachen?
CF/KL: Am Meer.

Vermissen sie Wolkenkratzer in der Schweiz?
CF: Nein, sie würden mich aber auch nicht stören
KL. Nein.

Was ist für sie Heimat: der Ort, die Freunde, die Sprache, das Essen...?
CF: Mein Partner Kurt und die Familie.
KL: Familie und das Essen.

Genügen Ihnen vier Jahreszeiten oder könnten sie sich eine fünfte vorstellen?
CF: Eine mit noch längeren Tagen, quasi eine Verlängerung der Frühsommertage.
KL: Bin zufrieden mit vier, es könnte auch nur eine sein.

Ist Ihr Esstisch rund, oval oder eckig und weshalb?
CF: Eckig, ich mag runde Tische nicht.
KL: Eckig.

Machen sie zuhause Sport und wenn ja welchen?
CF: Dehnen und Rudern.
KL: Rennen.

Sind sie gern allein?
CF: Ja, ist aber nicht wichtig.
KL: Nein.

Wen würden Sie gerne einmal ein Wochenende zu sich nach Hause einladen?
KL: Yuval Noah Harari.

Worauf werden Sie in Zukunft verzichten/ könnten Sie am leichtesten verzichten, um klimaneutral(er) zu leben?
CF: Weniger Fleisch essen.
KL: Weniger Reisen.

Haben Sie einen Lieblingsschmuck?
CF: Nein.
KL: Meine Uhr.

Wo baden sie am liebsten im See, im Meer oder in der Badewanne?
CF/KL: Im Meer.

Wo gibt es das beste vegetarische Essen/spezifischer/?
CF: Zuhause.
KL: In Indien.

Wo gibt es das beste Glace?
CF: «Gelateria Di Berna» in Zürich.
KL: «Amy’s» in Austin.

Stört es Sie, wenn die Nachbarn laut Sex haben?
CF: Ja. Mich stört es generell, wenn Leute laut sind.
KL: Ja.

Was machen sie in tropischen Sommernächten?
CF: Nicht gut schlafen können!
KL: Auf dem Balkon sitzen und ein kühles Glas Rosé trinken.

Wovon sollten Sie sich trennen, können es aber nicht?
CF: Zu vieles, ich werfe nicht gern fort.
KL: Ich habe kein Problem mich von Dingen zu trennen.

Welche Farbe dominiert in Ihrer Küche?
CF/KL: Rot, wegen der Tomaten, Peperoncini, Treviso-Salaten und Äpfel.

Was war Ihr schönstes Geburtstagsgeschenk?
CF: Überraschungsferien in Tansania.
KL: Selbstgebastelte Geburtstagskarten von Christian.

Was nehmen sie aus den Ferien als Erinnerung nach Hause mit?
CF/KL: Eindrücke in meinem Kopf.

Ihre Lieblingsnamen?
CF: Noa.
KL: Elaine (Name meiner Mutter).

Ihr Lieblingswort?
KL: «L’espoir».

Wann haben sie sich zuletzt selbst gegoogelt?
CF: Vor zig Jahren.
KL: Letztes Jahr.

Ihre Lieblingsserie?
CF: «The Americans».
KL: «The Crown».

 

Fotos: Rafael Palacio Illingworth
Konzept und Styling: Michèle Boeckmann
Fragebogen: Stefan Zweifel

Die interviewten Personen suchen sich die Fragen aus dem Fragebogen selbst aus.

Barathy Akkan

Barathy Akkan ist 25 Jahre alt und in Glarus geboren und aufgewachsen. Sie ist diplomierte Pflegefachfrau und modelt nebenbei. Wir haben Barathy in Glarus fotografiert und uns unterhalten.

 

Welcher Geruch erinnert Sie an Ihre Kindheit?
«Beautiful» von Estée Lauder. Meine Mutter trug das Parfüm jeden Tag, als ich noch ein Kind war.

Welchen Film möchten Sie noch einmal sehen?
«Before Sunrise» und «Call Me by Your Name».

Haben Sie Haustiere? / Was für ein Haustier hätten Sie gern – und warum?
Leider habe ich keine Haustiere. Ich hätte gern einen Hund oder ein Babyschwein. Beides sehr tolle Tiere.

Was für ein Tier wären Sie gern – und warum?
Ein wuscheliges Kalb. Ich würde gern auf einer freien Wiese freudig herumrennen. Kälber finde ich supersüss und sie sind mir einfach sehr sympathisch.

Was wären Sie, wenn Sie eine Tageszeit wären?
Vormittag, ein sonniger Vormittag.

Was wären Sie, wenn Sie ein Möbelstück wären?
Ich wäre ein Tisch.

Was zeigen Sie Freunden aus dem Ausland in Ihrer Stadt?
Die Stadt Glarus und die Berge.

Welches Kunstwerk würden Sie gerne zuhause aufhängen oder aufstellen?
Irgendein Kunstwerk, das meine Freundin Michelle gestaltet hat.

Haben sie zuhause Pflanzen?
Ja, über 30 und jede Pflanze hat einen Namen.

Welches ist ihr liebstes Küchengerät?
Ein manueller Gemüsehacker. Der erleichtert mit das Kochen und macht mir Freude.

Was haben Sie immer im Kühlschrank?
Broccoli, Peperoni und Sojamilch.

Was vergessen Sie beim Einkaufen immer wieder?
Kaffeekapseln, Kompost- und Abfallsäcke. Oh, und Backpapier!

Was ist für sie Heimat: der Ort, die Freunde, die Sprache, das Essen...?
Ein spezifisches Gefühl, welches ich nicht beschreiben kann und die Freunde und Familie.

Machen sie zuhause Sport und wenn ja welchen?
Ich mache HIIT (High-intensity interval training), Youtube Homeworkouts und Springseilen.

Sind sie gern allein?
Ja eigentlich schon, aber nicht allzu lange.

Haben Sie einen Lieblingssschmuck?
Meinen «holding hands» Ring.

Wovon sollten Sie sich trennen, können es aber nicht?
Meine Stofftiere.

Ihre Lieblingsnamen?
Moya und Sree.

Wann haben sie sich zuletzt selbst gegoogelt?
Nachdem ich diese Frage gelesen habe.

Ihre Lieblingsserie?
«Grace and Frankie».

 

Fotos: Rafael Palacio Illingworth
Konzept und Styling: Michèle Boeckmann
Fragebogen: Stefan Zweifel

Die interviewten Personen suchen sich die Fragen aus dem Fragebogen selbst aus.

Home Philosophy 4

Home Philosophy 4

Illustration Simon Trüb

 

Der Mantel ist ein Haus

Viele Kinder haben ein „Nuscheli“, ohne das sie nicht einschlafen können. Und manche Menschen wollen vor ihrem Tod einmal noch in ein altes verlöchertes Pijama steigen. So tragen wir Kleider und Stoffe durchs Leben, die aus unseren Erinnerungen gewebt sind. Und in denen fühlen wir uns aufgehoben, geborgen und daheim.
„Der Mantel ist ein Haus“. So donnerte einmal der deutsche Philosoph Hegel. Er hat den Weg des dumpfen Bewusstseins des Tieres über das Selbstbewusstsein des Menschen bis zum absoluten Weltgeist aufgezeichnet und auch die Künste hierarchisch geordnet. Die Mode passt mit ihrer Flüchtigkeit nicht so recht in sein System. Doch mit diesem einen Satz gab er uns einen schönen Wink.

Als in Urzeiten die Menschen den Schutz der Wälder aufgeben mussten, in denen sie wie die Gorillas Nester in Bäumen bauten, um furchtlos schlafen zu können, legten sie ihr Fell ab. Neue Schweissdrüsen erlaubten es ihnen, unter dem Fluch der Sonne durch die Savannen zu streifen, ohne das ihr grosses Hirn überhitzt wurde. Die Haut aber begannen sie bald mit fremden Fellen und Häuten zu schützen, aus denen sie auch erste Behausungen in Form von Zelten bauten. Kleid und Haus wurde zu einer zweiten Haut.

Und als hätte das Hegel bereits alles gewusst, ergänzte er sein Diktum: „Der Mantel ist ein Haus, in dem man sich frei bewegt.“ Oder eben nicht – wie in der Mode seiner Zeit um 1800, die er geisselte: Denn der „moderne“ Mantel wirft nur „starre Falten“ wie ein „steifer Sack“, während in der Antike bei den Griechen die Gewänder frei über den Leib flossen wie der Schaum über die Glieder der Aphrodite, als sie der Gischt des Meeres entstieg. Dieses freie Spiel wich der reinen „Zweckmässigkeit“, in die man ein Leben sperrt, das nur noch eine Funktion im Getriebe des Staates ist.


Die Lust des Osterhasen

Das Diktat der „Zweckmässigkeit“ wanderte vom Mantel in unsere Häuser. Gerade an Ostern zeigt sich die Armut modernistischer Bauten, wenn man ein Versteck für bemalte Eier und Schoko-Hasen sucht. Schon in den 1920er Jahren stempelte Adolf Loos das Ornament zum „Verbrechen“. Er feierte die reine Funktionalität, was zu glatten Räumen mit grossen Fenstern führte, wobei Stahl und Glas die Verhärtung der Welt anzeigen. Während das Holz noch atmete, sind die Wohnungen heute nach aussen abgeschlossen, die Luft kreist nur noch kontrolliert durch die Klimaanlage und Roboterstaubsauger säubern Böden, in denen sich nicht mehr wie zwischen den Holzbrettern Staub und Milben ansammeln können. Die Wohnung wird zur in sich geschlossenen Monade, die mit der Welt durch Bildschirme vernetzt ist und nur noch durch virtuelle Atmung verbunden bleibt.

Das merkt man als Bewohner, wenn man an Ostern für seine Kinder Verstecke sucht. Walter Benjamin, ein Kenner von Hegel und auch der Barockphilosophie, entwarf 1932 eine kleine Philosophie des Versteckens für Osterhasen. Benjamin tröstete zwar noch die Bewohner moderner Bauten mit dem Hinweis, dass sie auch in den Schreibmaschinen noch Hohlräume finden – doch wo sind sie heute hin?, wo die iPads als schwarze Flächen auf dem Sofa glänzen und sich die Laptops flach zuklappen lassen?

Was eigentlich ist das beste Versteck? Das offensichtlichste! Benjamin empfiehlt, die Eier nicht unsichtbar in Schubladen zu verstecken, sondern offen in den Raum zu legen, als Verschluss auf eine Weinflasche, unter „die Falten des Tischtuchs“ oder auf die Pedalen des Klaviers. Bodennah weitet sich die Wohnung so zur Wiese, durch die die Hasen hüpfen.

Die Winkel der Altbauten erleichtert den Eltern das Verstecken. Glatte Wände und sterile Bauten machen es ihnen schwer. Häuser mit Winkeln und Falten lassen Raum für den Zufall – zuweilen findet man das letzte Osterei erst im Sommer, wenn es zu stinken beginnt. Doch wollen wir diesen Gestank wirklich aus unserem Leben verbannen – wie die Falten mit Botox?

Die "Zwecklosigkeit" alter Kleider, die wir nicht wegwerfen, weil sie uns an schöne Stunden erinnern, häufen sich in staubigen Winkeln. Das ist scheinbar so zwecklos wie ein "Nuscheli". Und doch hängen wir ein Leben lang an ihm.

Vielleicht wird auch dieses Jahr die geheimnislose Moderne vom Osterhasen überlistet, der gern seine Eier in verwinkelten Altbauten versteckt. Gerade das Zwecklose ist oft so schön wie die Poesie. Vergänglich wie die Wolken am Himmel. Vergänglich und zwecklos wie wir selbst. Wenn wir die Falten nicht wegspritzen, um uns an die Illusion der Zeitlosigkeit zu klammen, nisten sich die Erinnerungen im Augenwinkel ein wie alte Kleider im Staub der Schränke. Doch in ihnen entfaltet sich die Erinnerung an Vergangenes, die das Jetzt poetisch verzaubert. Feiern wir also die Winkel und Falten, die Zwecklosigkeit und die Vergänglichkeit. Das Altern macht die jeweilige Gegenwart nämlich sinnlicher und lustiger. So gesehen ist Hegels Satz ein Wink für uns alle.

Stefan Zweifel